Ausstellung

Die Arbeiten der Ausstellung zeigen verschiedene Perspektiven auf das Festivalthema „record, record“. Die technische Aufzeichnung und Reproduzierbarkeit als Grundlage eines Grossteils der elektronischen Künste regt zum Spiel mit dem Akt und den Medien des Aufzeichnens an. Neben dieser Auseinandersetzung mit den Ästhetiken der Aufzeichnung und der Aufzeichnungsmedien sind aktuelle gesellschaftliche Zusammenhänge rund um den Themenkomplex von freiwilliger wie unfreiwilliger Aufzeichnung und Datenanhäufung Themen in der Ausstellung. Und schliesslich hängen auch Fragen von Identitätskonstitution und –konstruktion immer stärker an Fragen von elektronischer Aufzeichnung und Datenspeicherung: Wie zeichne ich mich auf, wie zeige ich mich in Datenbanken, wieviele Daten gebe ich von mir preis?

Lutz BacherMartin BrandGarrett Davis / Kieran GillenAleksandra DomanovićAlejo Duque / Lorenz SchoriEtoy.CorporationVerena FriedrichMaia Gusberti / Nik ThönenEsther HunzikerFlo KaufmannOliver LaricKristin LucasChristian MarclayAgnes Meyer-Brandis Frédéric PostMichael S. RiedelLucien SamahaLaurent SchmidDavid TroyValentina VuksicJordan Wolfson

Führungen: Do 21.30 h, Fr/Sa 13.00 h und 21.00 h, So 13.00 h
Guided tour in English: So 16.00 h


Lutz Bacher

(lebt in Kalifornien, USA)


Closed Circuit

(1997-2000) Video
Lutz Bacher installierte für ihre Ausstellung in der Pat Hearn Galerie 1997 eine Überwachungskamera im Büro der Galeristin, deren Aufnahmen in den Galerieraum übertragen wurden. Während der einjährigen Laufzeit der Installation entstanden 1’200 Stunden Aufnahmen. Aus diesen Aufnahmen destillierte die Künstlerin später das Video "Closed Circuit". Pat Hearn, die Hauptfigur des resultirenden Kurzfilms, starb kurz nach dem Ende der Aufnahmen an Krebs. So gesehen wird aus dem Spiel mit dem Blick hinter die Kulissen des Kunstmarktes das elektronische Vermächtnis einer Person mittels Aufzeichnung.





Martin Brand

(*1975, lebt und arbeitet in Köln)


Match

(2005) Dreikanal-Video
"Match" basiert auf den Videoaufnahmen einer „Schlacht“ – jenen Treffen, zu denen sich Hooligangruppen verabreden, um sich zu prügeln. Martin Brand stiess über einschlägige Websites auf DVDs mit Aufnahmen solcher Schlachten – durcheinandergewürfeltes Amateurmaterial, meist Kopien von Kopien mit den typischen Abnützungsartefakten der VHS-Technologie. In der Materialflut fand der Künstler mehrere Aufnahmen der gleichen Schlacht, gefilmt von drei Kameras. Anhand der Tonspur synchronisierte er die drei Perspektiven. Die Hooligans vergewisserten sich ihrer selbst nicht nur durch das extreme, unmittelbare Köpererlebnis der Schlägerei, sondern auch durch die mediale Aufzeichnung dieses Aktes.
www.martinbrand.com/works/match-t.html





Garrett Davis / Kieran Gillen

(*1984, lebt und arbeitet in Philadelphia / *1984, lebt und arbeitet in Baltimore)


mif

(2008) Video
In "mif" wird nichts anderes gezeigt als der Vorgang einer Tonaufnahme in einem Wald mit einem Mikrofon, das sich an einer Tonangel befindet.  Dennoch scheinen wir plötzlich mehr zu sehen und zu hören: Während das Mikrofon an Baumrinden entlang schabt, und sich sich in den losen Boden bohrt entstehen Fehlgeräusche, die an ein Schnaufen erinnern. Das Mikrofon wird zum Techno-Tier, die vordergründig nüchterne Aufzeichnung zu einem Akt der schamlosen sinnlichen Übersteigerung.





Aleksandra Domanović

(*1981, Gložan, lebt und arbeitet in Berlin)


Anhedonia

(2007) Video
„Anhedonia“ war der ursprüngliche Titel von Woody Allens Film „Annie Hall“ (1977). Da Anhedonia in der Psychologie Lust- oder Freudlosigkeit bezeichnet, wurde der Name als nicht vermarktbar betrachtet und geändert. Aleksandra Domanović verwendet in ihrem Video die Tonspur von Allens Film, ersetzt aber die Bildspur komplett mit Schnipseln aus einem kommerziellen Videoarchiv. Die „Stock Footage“ solcher Archive ist detailliert verschlagwortet – die Auswahl und Zuordnung zum Text der Tonspur erfolgt auf der Basis dieses Schlagwortsystems.

Shift Talk (gemeinsam mit Oliver Laric): Sa 16.00 h, Festivalzentrum


Alejo Duque

(*1970, Medellin/CO; lebt und arbeitet in Seon/CH, Saas Fee/CH und Aix/F)

Lorenz Schori

(lebt und arbeitet in Bern)


--re-routed (as default)

(2008 ) Installation
Duque und Schori erforschen – ausgerüstet mit einer Vielzahl unterschiedlicher Geräten, die Daten aufspüren und aufzeichnen – das Dreispitzgelände: von nächtlichen akustischen Schichten über Wireless-LANs bis zu den Spektren des nahen Friedhofs, von Bio- bis Radiowellen, Elektrosmog-Positivismus bis „Electronic Voice Phenomena“-Esoterik. „Normale“ und „paranormale“ Ereignisse und vieles, was sich unseren fünf Sinnen entzieht, wird in re-routed wahrnehmbar gemacht. Die aufgezeichneten Daten werden zu Sound- und Videoscapes weiterverarbeitet, mittels GPS gemappt und verarbeitet zu einer neuen Art der Kartografie eines Ortes, der Basel genannt wird.
co.lab.cohete.net

Shift Talk mit Alejo Duque: Fr 21.30 h, Festivalzentrum





Etoy.CORPORATION

 

M∞ / Mission Eternity.

(seit 2006) Installation
M∞ / MISSION ETERNITY ist ein Totenkult für das Informationszeitalter. Lebende Personen werden von etoy.AGENTEN digital erfasst und auf eine endlose Reise durch Raum und Zeit vorbereitet. Beim Eintritt des klinischen Todes eines M∞ USERS wird ein individueller POST MORTEM PLAN aktiviert. Die MISSION ETERNITY KAPSEL beginnt sich in der Folge zu vervielfältigen und auf Servern, Mobiltelefonen etc. einzunisten. An der Shift-Ausstellung zeigt etoy eine dokumentarische Version von M∞ / MISSION ETERNITY, erstmals ergänzt mit einer umfangreichen Erfassung der medizinischen Daten der Piloten.
www.etoy.com

Performance: Fr 14.00 h und Sa 22.00 h, in der Ausstellung





Verena Friedrich

(*1981, Hanau; lebt und arbeitet in Frankfurt/Main)


ENDO

(2007) Installation
ENDO ist ein digitales Aufzeichnungsgerät, ausgestattet mit verschiedenen Sensoren und einer ein Terabyte grossen Festplatte. Der schwarze Kasten sammelt kontinuierlich Daten der aktuellen Umgebungssituation, bis das Speicherlimit erreicht ist. Bilder, Töne, GPS-Daten, Helligkeit, Luftdruck, Temperatur, und Luftfeuchtigkeit werden im Inneren dieser Blackbox archiviert, ohne dass der Betrachter jemals erfährt, was mit den gespeicherten Informationen passiert. Der Blick ins Innere der Blackbox wird dem Betrachter verwehrt. ENDO spiegelt eine Situation, in der wir uns alle befinden: laufend werden Daten angesammelt – auch über uns. Diese Datenberge werden meist nicht ausgewertet, bleiben aber angehäuft und der Kontrolle des Einzelnen entzogen.
heavythinking.org





Maia Gusberti

(*1971, Bern; lebt und arbeitet in Wien, Bern, Kairo);

Thönen Nik

(*1963, Zwieselberg/Schweiz; lebt und arbeitet in Wien):


Sunday-files

(2007) Dreikanal-Video
Bilder von Arbeitsräumen, Schulzimmern und Büros, die von Webcams aufgezeichnet und gestreamt werden, sind weit verbreitet. Gusberti und Thönen greifen für ihre Arbeit Sunday-files auf solche Aufzeichnungen zurück. Sonntags, wenn die Räume leerstehen, wenn also gar keine Informationen zu übermitteln sind, filmen sie die Übertragungen ab: In dieser Arbeit deutet sich subtil an, was zur immer grösseren Besorgnis wird: Die uferlosen Mengen von Schattendaten, die maschinell aufgezeichnet aber nie von einem Menschen verwertet werden, und die einen Grossteil des globalen Datenaufkommens ausmachen.
www.maiagusberti.net
www.re-p.org

Shift Talk mit Maia Gusberti/Nik Thönen: Fr 15.00 h, Festivalzentrum






Esther Hunziker

(*1969, lebt und arbeitet in Basel)


ooo

(2008). Interaktive online Videos.
Ooo  zeigen Alltagsszenen im öffentlichen Raum. Die Aufnahmen wirken zufällig, anonym, unspektakulär, global austauschbare urbane Szenen. Die Betrachtenden können den Fluss der kurzen Loops unterbrechen. Die Aktion stoppt und verdoppelt sich. Es resultiert ein Zustand des Asynchronen, als hätte man die Zeit gestoppt und verdoppelt.
www.ref17.net/index.html





Flo Kaufmann

(*1973, lebt und arbeitet in Solothurn)


disk-o-mat

(2008). Interaktive  Installation.
Der Schallplatten-Aufnahme-Automat funktioniert ähnlich wie ein Foto-Automat: Die Besucher setzen sich hinein, werfen ein Geldstück ein und starten damit einen Aufnahme-Mechanismus. Aufgenommen wird aber nicht ein Portrait-Bild, sondern die Stimme des jeweiligen Besuchers oder eine mitgebrachte Aufnahme, aus welcher in Echtzeit eine Single-Schallplatte geschnitten wird. Nach einer kurzen Wartepause wirft der Automat die Single aus, der Besucher kann diese mit nach Hause nehmen.
www.floka.com

Konzert Flo Kaufmann und Strotter Inst.: Sa 20.30 h, Konzertraum





Oliver Laric

(*1981, Istanbul; lebt und arbeitet in Berlin)


50 50 2008

(2008) Video
Oliver Laric reflektiert in seiner jüngsten webbasierten Videoarbeit "50 50" die Rezeption von Videos und Populärkultur im Internet. Dafür hat er 50 Amateur-Interpretationen von Songs der Hip-Hop-Ikone 50 Cent auf  YouTube gesammelt. Die daraus isolierten Sequenzen wurden vom Künstler so zusammengeschnitten, dass der originale Song wieder nahtlos rekonstruiert ist. Das Video wirkt dadurch wie eine kollaborative Karaoke-Vorführung von geographisch und kulturell unterschiedlichen Sängern, welche auf unterschiedliche Weise die Ikonografie von Hip Hop-Videos im Amateursetting appropiieren und interpretieren. An Shift zeigt Oliver Laric erstmals die 2008er Version von "50 50", einen Remix vom Remix, in dem er ausschliesslich YouTube-Videos von 2008 verwendet.
oliverlaric.com

Screening mit von Oliver Laric zusammengestellten und kommentierten YouTube-Videos: Fr 16.00 h und Sa 21.00 h, Kleine Halle
Shift Talk (gemeinsam mit Aleksandra Domanović): Sa 16.00 h, Festivalzentrum






Kristin Lucas

(*1968 lebt und arbeitet in Brooklyn)


Refresh

(2007)

Before and After

(2007)

Am 5. Oktober 2005 wurde der Künstlerin vor dem Superior Court in Kalifornien eine offizielle Namensänderung von Kristin Sue Lucas zu Kristin Sue Lucas offiziell genehmigt. Der Kommentar des Richters dazu lautete: „Sie haben also ihren Namen zu exakt dem Gleichen geändert, den sie vorher trugen, um sich damit zu refreshen als ob sie eine Webseite wären“.
Die Leichtigkeit, mit welcher elektronischen Technologien aufzeichnen, ermöglichen es, stets neue und aktuellere Versionen zur Verfügung zu halten – sie schüren ein Bedürfnis danach und die Erwartung, dass die neueren Versionen immer eine Verbesserung gegenüber älteren darstellen. Die Künstlerin wendet diesen gängigen Vorgang der neuen Medien auf ihr eigenes Leben an: Sie erstellt eine aktuelle Version ihrer selbst, welche dann von befreundeten KünstlerInnen als Portrait erfasst und mit der Vorgängerversion verglichen wird.
Gerichtszeichnungen: Joe McKay
Before and After-Beiträge: Paul Slocum, Will Pappenheimer
www169.pair.com/klucas/before_after

Performance-Lecture von Kristin Lucas: Sa 17.00 h, Festivalzentrum





Christian Marclay

(*1955 San Rafael, CA, USA; lebt und arbeitet in New York)


Ausgehend von Vinyl-Aufzeichnungen reizt Marclay deren  Wiedergabe-Möglichkeiten in seinen Arbeiten bis zum Extrem aus. An der Shift-Ausstellung sind zwei Arbeiten zu sehen, welche die Spanne seiner Beschäftigung mit diesem Thema auch zeitlich aufzeigen:
 

Record Players

(1984). Video

Mit seinem Video „Record Players“ setzt sich Christian Marclay mit dem Thema der Wiedergabe von Schallplatten auseinander. Entstanden ist die Arbeit 1983/84, in der Zeit analoger Aufzeichnungen und Wiedergabe also. Eine Gruppe von Menschen verursacht durch Schwingen, Kratzen und schlussendlich auch das Zerbrechen von Vinyl-Schallplatten rhythmische Geräusche – sie werden damit selbst auf spielerische Weise zum „Record Player“. „Breaking is making music“, so Marclay. Die Akteure emanzipieren das Vinyl von ihrer Eigenschaft als Speichermedium und machen es zum Echtzeit-Instrument.

Looking for love

(2008). Video
Eine Nah-Aufnahmen zeigt die Nadel eines Plattenspielers, welche die Schallplatte nach dem wort ‚Love’ absucht. Sobald die Nadel das Wort findet gleitet sie mehrere Male darüber um es abzuspielen und fährt dann weiter mit anderen Sequenzen der Lieder.
www.whitecube.com/artists/marclay/


© Christian Marclay. Courtesy of Paula Cooper Gallery, New York


Agnes Meyer-Brandis

(*1973, lebt und arbeitet in Köln)

CCS-Trailer  -  (Cloud Core Scanner)

Auf einem Parabelflug des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt  erforschte die Künstlerin auf 8500 M.ü.M. im Zustand der Schwerelosigkeit die Aktivitäten der Wolkenkerne, der sogenannten Aerosole. Der eigens für dieses Projekt entwickelte Wolkenkern-Scanner erfasste im Verlaufe der Forschung 5 Terabyte Daten, die gegenwärtig von der Künstlerin ausgewertet werden. Mit einem kurzen Video und einer Performance-Lecture gewährt uns Agnes Meyer-Brandis Einblick in diesen Auswertungsvorgang und in ihr künstlerisches Verfahren, ausgehend von wissenschaftlicher Forschung in Bereiche des Fantastischen vorzudringen. http://www.ffur.de/
Unterstützt von Filmstiftung NRW und Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
Performance-Lecture von Agnes Meyer-Brandis: Fr 19.00 h, Festivalzentrum





Frédéric Post

(*1975 Annemasse CH, lebt und arbeitet in Genf )


Miracol

(2000-2003). Installation. 
Frédéric Post fertigt in einem simplen Gussverfahren mit einem handelsüblichen Weissleim namen „Miracol“ Kopien von Vinyl-Schallplatten. Aus der A- oder B-Seite wird eine C-Seite, ein Negativ voller Nebengeräusche, das von innen nach aussen abgespielt wird und das kopierte Aufgezeichnete rückwärts erklingen lässt. Aus der Lofi-Piraterie ergibt sich ein ästhetischer Eingriff ins Material. Nebst den nicht-autorisierten Abgüssen arbeitet Post auch mit Musikern für eine Reihe von Miracol-Editionen zusammen. Anlässlich von Shift erscheint eine Miracol-Edition mit Flo Kaufmann, der auch im Musikprogramm und in der Ausstellung vertreten ist (erhältlich im Shift-Shop).
www.evergreene.ch/ARTISTS/POST/post.htm

DJ-Performance mit Miracol-Platten Sa 20.00 h, Konzertraum






Michael S. Riedel

(* 1972, lebt und arbeitet in Berlin)


Filmed Film (2008).

Installation an Aussenfassade.
Der zuletzt in New York (David Zwirner) und Frankfurt (Städelmuseum) gezeigte Filmed Film von Michael Riedel wird während des Festivals auf der Aussenfassade auf dem Festivalgelände zu sehen sein.
Filmed Film: In den Jahren 1999 bis 2002 entstandene Videoaufnahmen von über 40 Stunden Länge, deren Motivation das Filmen von Filmen ist. Bedingt durch den
Autofokus der Kamera, der den abgefilmten Film nicht fokussieren kann,
wird die Aufnahme regelmäßig unscharf und pulsiert. Schlecht gefilmt
läuft das Bild durchs Bild oder der Film im Film verschwindet. Selten
ist die Filmdauer identisch mit der Länge des abgefilmten Films. Die
meisten Filme enden in der Tasche. Einige Filme beginnen vor dem Film.
Anfang und Ende finden mehrmals statt. Über die Vollständigkeit der
Filme hat nicht selten auch die Leistung des Akkus der Kamera
entschieden. Alle Aufnahmen sind im Modus Farbaufnahme entstanden. Filme ohne Ton sind automatisch vertont.

Shift Talk mit Michael Riedel: Fr 20.30 h, Festivalzentrum






Lucien Samaha

(*1958, Libanon; lebt und arbeitet in New York)

a_synchronous self-reflection in exif:precision:time (2008)

Installation mit digitalem Bildarchiv.  
Seit einigen Jahren arbeitet Lucien Samaha mit einer fast obsessiven Intensität an der Inventarisierung, Archivierung und Präsentation seiner inzwischen ca. 300'000 Fotos, die er im musealen Kontext ebenso wie in Zeitschriften oder auf Online-Portalen präsentiert. Sein Archiv umfasst Fotoserien zu sozialen Anlässen, Bilder von Freunden, Schnappschüsse aus dem New Yorker Nachtleben, aus Chats etc. Was ursprünglich einen organisatorischen Zweck erfüllen sollte, nämlich die stetig wachsende Anzahl von Fotografien des Künstlers zu ordnen, wurde plötzlich zu einem lebendigen Prozess: Die Fotografien brauchten zwar ein Archiv – das Archiv selbst verlangt jedoch stetig nach neuen Bildern. So fügt Lucien Samaha manchmal bis zu 1'500 neue Bilder pro Tag hinzu. Aus dem Archiv resultiert eine sich konstant verwandelnde zeitliche Skulptur von Bildern eines persönlichen Daseins; voller Emotionen und Erinnerungen, sowohl in Form als auch im Inhalt.
www.mondolucien.net

Shift Talk mit Lucien Samaha: Sa 15.00 h, Festivalzentrum

Aussenstation im Unternehmen Mitte, Gerbergasse 30, Basel, während den Ausstellungsöffnungszeiten





Laurent Schmid

(*1960, Basel; lebt und arbeitet in Bern und Genf)


Memory Piece

(2006). Installation und mp3-Player-Edition. 
Memory Piece stützt sich auf die (umstrittene) Methode des Sprachlernens im Schlaf . Diese Schlaf-Lernmethode wurde vom US-Geheimdienst bereits während des 2. Weltkrieges benutzt. Seine Agenten sollten im Schlaf Dialekte, Akzente, Gewohnheiten, Gebräuche und Daten der Länder lernen, in welche sie zum Einsatz entsandt wurden. Manche Fachleute behaupten, diese Methode sei besonders effektiv, andere sehen in ihr nur Scharlatanerie. Memory Piece geht davon aus, dass der Quellcode eines kleinen Bildes eines schwarzen Lochs auswendig gelernt werden kann. So kann mit einem Texteditor und einem Programm, welches JPEG-Dateien öffnen kann, ein auf diese Weise memoriertes Bild wieder dargestellt werden.
www.electric-haze.org/solaris/index.php

Shift Talk mit Laurent Schmid: Fr 17.00 h, Festivalzentrum






David Troy

(lebt und arbeitet in Baltimore, MD)


Flickrvision

(2007). Software.
Dass sich mit Karten-Internetdiensten wie Google Maps und den Internet-Bildarchiven wie Flickr die Art verändert, wie wir die Welt wahrnehmen, zeigt das Projekt Flickrvision von David Troy. Flickrvision zeigt eine Weltkarte von Google Maps, auf der die neusten Bilder auf Flickr erscheinen, und zwar am Ort, von dem sie gerade hochgeladen wurden. Das Bild bzw. der Fotografen wird geografisch verortet. David Troy hat damit ein Programm entwickelt, welches uns erlaubt, das rasante Wachstum globaler Plattformen wie Flickr visuell zu erfassen und gleichzeitig globalisierte Ikonografien der Alltagsfotografie vorbeiziehen lässt.
flickrvision.com





Valentina Vuksic

(*1974 München; lebt und arbeitet in Amsterdam und Zürich)


Harddisko

(2004). Installation, 16 geöffnete Computerfestplatten, Mixer, Verstärker, Boxen.
Vuksic hat für Harddisko 16 ausgediente Festplatten geöffnet und mit Tonabnehmern versehen. Die Schreib- und Leseköpfe erzeugen beim Initialisieren unterschiedliche Klänge, je nach Alter und Hersteller der Harddisks. Im sequenzierten Zusammenspiel der 16 Geräte entsteht eine ständig variierende Musik, die mal an Click-Techno gemahnt, mal schmerzhaft an erlittene Harddisk-Crashes erinnert. Das Speichermedium wird zum Objekt und zum Instrument, die darauf gespeicherten Daten obsolet. Das Aussehen der offenen Festplatten erinnert zudem an Plattenspieler, aus Harddisk wird Harddisko.
(Foto: Schaub Stierli Fotografie)
harddisko.ch

Shift Talk mit Valentina Vuksic: Fr 18.00 h, Festivalzentrum



Foto: Schaub Stierli Fotografie


Jordan Wolfson

(*1980, lebt und arbeitet in New York und Berlin)


Von Jordan Wolfson
befindet sich eine Installation auf dem Dach.