Shift in Progress

Shift in progress hat Studierende der Schweizer Kunsthochschulen eingeladen, Arbeiten aus dem Bereich der elektronischen Künste einzureichen, welche in Bezug zum diesjährigen Festivalthema ‹record, record› stehen. Aus den insgesamt 25 eingesandten Projekten wählten Daniel Baumann (Kurator) und Hanspeter Giuliani (Tweaklab) 16 Projekte aus.

Shift in progress versteht sich als Plattform für Projekte einer neuen Generation von KünstlerInnen und AktivistInnen, welche aus nächster Nähe die aktuellen Entwicklungen der elektronischen Medien verfolgen, sie kommentieren, beeinflussen und in ihrem Sinne nutzen.

Beteiligt sind Studierende folgender Schulen:
— Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Gestaltung und Kunst (FHNW HGK): Institut Medienkunst, Aarau; Institut Kunst, Basel
— Hochschule der Künste Bern (HKB): Studienbereich Musik und Medienkunst
— Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern (HSLU): Videodepartment
— F&F Schule für Kunst und Mediendesign, Zürich
— Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK): Mediale Künste

Container und Güterwaggons, Eintritt frei

Denise Altermatt – Stefan Baltensperger – Fabienne Blanc – Fabian Chiquet – Bianca Dugaro – Kevin Graber – Luc Gut – Denis Handschin – Jeremias Holliger – Sonja Huonder – Denise Kratzer / Jan Hänni – Cyrill Lim – Timo Loosli / Daniel Werder – Eva Moline / Silvia Popp – David Siepert – Hannah Weinberger


DENISE ALTERMATT

(F&F Zürich)


PIECES OF CUTTING

(2008), Installation
Seit jeher versuchen Menschen, die Welt möglichst detailliert auf Karten fest zu halten. Die heutige Technologie, die es ermöglicht, immer und überall ein Bild herzustellen und zu speichern, um somit die eigene Umgebung zu fixieren, kommt uns entgegen. Für ihre Arbeit fotografierte Denise Altermatt ihre persönliche Umgebung, um sie an einem anderen Ort öffentlich wiederzugeben. Daraus entsteht ein riesiges Bild aus ca. 1000 Einzelbildern, das zeigt, wie obsessiv heute mit der Bildproduktion umgegangen werden kann.





STEFAN BALTENSPERGER

(FHNW HGK INSTITUT MEDIENKUNST)


MEDIALE ARTEFAKTE

(2008), Installation
In ‹Mediale Artefakte› entsteht eine fiktive Geschichte durch eine ästhetische Umsetzung von Informationen, die nicht durch den Künstler, sondern in Echtzeit durch ein Computerprogramm, den ‹Realitätsgenerator›, gestaltet wird. Dieser analysiert Nachrichtenmeldungen aus dem Internet und vergleicht sie mit dem Inhalt von Spielfilmen. Findet das Programm eine Übereinstimmung von einer Nachrichtenmeldung mit einer Sequenz aus der Filmbibliothek, so wird diese leinwandfüllend darüber projiziert. So entstehen Geschichten, die von scheinbar wahllos zusammengeschnittenem Filmmaterial bis hin zu narrativen Scheinwelten reichen.





FABIENNE BLANC

(FHNW HGK INSTITUT MEDIENKUNST)


MISTER HIT & THE ONE HIT WONDERS, SCRATCH YOURSELF, TURNTABLE-TABLE

(2008), Installation
Drei Plattenspieler stehen im Zentrum der dreiteiligen Installation, nur zwei davon sind wirklich, beim dritten erscheint das Abbild eines Plattenspielers. Ein wichtiger Aspekt ist das Spiel zwischen Titel, Gegenstand und interaktiver Handlung. Die Wortspiele im Titel weisen auf inhaltliche Kopplungen hin; zum Beispiel bei ‹Scratch Yourself›: Auf dem Plattenspieler liegt eine Kontrollplatte, von der Nadel werden Scratch-Bewegung abgenommen und an einen Rückenkratzer weitergeleitet, so dass man sich eben selber ‹scratchen› kann. Der Titel des zweiten Objekts ‹Turntable-Table› basiert auf Duchamps ‹Fahrrad-Rad›. Beim dritten Werk ‹Mister Hit & the One Hit Wonders› ist es der Plattenspielerselbst, welcher die Basis für den Titel lieferte. Das 1974 produzierte ‹Telefunken›-Gerät namens ‹Mister Hit› ist mit einem Handy gekoppelt, das One Hit Wonders aus 1974 spielt.





FABIAN CHIQUET

(FHNW HGK INSTITUT KUNST)


MEIN TANZ

(2008), Installation
Da rückt der Nimmermüde einen nicht endenden Tanz ins rechte Licht. Für die Vertonung sorgt eine Internet Community, die das Material zu den rhythmisch gesprochenen Texten liefert. Es handelt sich um Kommentare aus Web-Foren, die über eben diesen nimmermüden Tänzer abgegeben wurden. Im besten Fall spricht diese Arbeit über die aktuelle Populärkultur, das Sich-Ausstellen und Sich-der-Öffentlichkeit-Ausliefern. Ansonsten bleibt der junge Herr in seinen Bemühungen immerhin hübsch anzusehen.
www.fabianchiquet.net





BIANCA DUGARO

(FHNW HGK INSTITUT KUNST)


OVERFLOW

(2008), Installation
Die Installation schafft eine Raumatmosphäre, in der sich der Betrachter spiegelt, reflektiert, dabei wahrnimmt und irritiert wird. Eine Analogie zur digitalen Bild-Informationswelt soll geschaffen werden, in der man sich als Körper bewegen und die Projektion räumlich durchschreiten kann. Durch Projizieren, Aufnehmen, Wiederholen und Verdoppeln entsteht beim Betrachter ein Gefühl des Umgebenseins mit Informationen. Durch sein eigenes Verhalten kann er diese teils steuern, wird jedoch durch die Anzahl der Inputs selbst überfordert.





KEVIN GRABER

(HSLU VIDEODEPARTMENT)


VAGES TERRAIN

(2008), Installation
Die Installation schafft eine Raumatmosphäre, in der sich der Betrachter spiegelt, reflektiert, dabei wahrnimmt und irritiert wird. Eine Analogie zur digitalen Bild-Informationswelt soll geschaffen werden, in der man sich als Körper bewegen und die Projektion räumlich durchschreiten kann. Durch Projizieren, Aufnehmen, Wiederholen und Verdoppeln entsteht beim Betrachter ein Gefühl des Umgebenseins mit Informationen. Durch sein eigenes Verhalten kann er diese teils steuern, wird jedoch durch die Anzahl der Inputs selbst überfordert.





LUC GUT

(ZHDK MEDIALE KÃœNSTE)


IMAGE RECORDED SOUND? SOUND RECORDED IMAGE?

(2008), Installation
Es ist möglich geworden! Dank der Entwicklung der Technik und der Medien kann man Videos mit günstigsten Mitteln im Schlafzimmer ‹recorden›, bearbeiten und vertonen. So jedenfalls sind diese fünf Arbeiten von Luc Gut entstanden. In allen fünf Clips geht es um die Synchronisation von elektronischer Musik und Video – ein Experimentierfeld, welches Gut schon seit längerem fasziniert. Folgende Fragen stehen im Zentrum: Welchen Einfluss hat ein Sound auf ein Bild? Wie lässt sich Rhythmus visuell darstellen? Wie kann ein Bild oder eine Bewegung tönen?
http://people.zhdk.ch/luc.gut





DENIS HANDSCHIN

(FHNW HGK INSTITUT KUNST)


ABSORPTIONCIRCLE

(2008), Installation
Die Raumaktivität wird durch einen Sensor in Sound übertragen, welcher Wasserwellen erzeugt, die auf einer Projektion visualisiert werden. Sobald eine Person den Raum betritt, erzeugen die von ihr ausgehenden ‹Schattenemissionen› eine Veränderung des Schalldruckpegels, was die projizierten Wasserschwingungen beeinflusst. Auch wenn niemand im Raum ist, findet eine Interaktion zwischen dem Licht, Schall und Wasser statt. Was vermögen unsere Sinne aufzunehmen? Inwiefern ist etwas autonom? In Anlehnung an das Prinzip des Schmetterlingseffekts ist dieses Resonanzexperiment auch die Aufzeichnung eines alltäglichen Phänomens. Es soll ein kleiner Teil aus unserer Welt von einem riesigen Zyklus von Absorptionsprozessen aufzeichnen.





JEREMIAS HOLLIGER

(FHNW HGK INSTITUT KUNST)


HYBRID - ZWISCHEN VIRTUALITÄT UND WIRKLICHKEIT

(2008), Installation
Die Arbeit ‹HYBRID› versteht sich als Versuchsanordnung auf offenem Feld. Sie oszilliert zwischen materiell und immateriell, befragt Virtualität auf ihre Wirklichkeit und überprüft Wirklichkeit auf deren Virtualität. Bei der Entstehung dieser Arbeit wurde eine Form verschiedenen Übersetzungsvorgängen und Medien-Transfers unterzogen, bei denen die Pole Virtualität und Wirklichkeit zunehmend in einander zu greifen begannen. Das Objekt selbst lotet eine Grenzsituation zwischen Architektur, Design und Kunst aus, und wie ein roter Faden zieht sich die Frage nach dem Modell-Sein durch diese Anordnung.





SONJA HUONDER

(ZHDK MEDIALE KÃœNSTE)


DAS GEHEIMNIS

(2008), Installation
Der Besucher betritt einen dunklen Raum und lauscht dem als Kanon gesungenen Gedicht ‹My Datababy›: «please don’t touch me / don’t destroy me / gently love me / go set me free / expand my memory / trust me bytely / help set me free / protect me / my datababy». Der Weg führt zu drei Radioempfängern, aus denen Texte über das Geheimnis ertönen, die z. T. mittels Funkstörungen das Geheimnis verschlüsseln. Der Besucher gelangt schliesslich zu einem Handy-Display, auf dem der Gedichttext stetig und nach Zufall verändert wird. Das Geheimnis stellt eine private Datensammlung dar und thematisiert den Umgang mit Privatheit, Einschluss, Ausschluss und Verschlüsselung aus dem Alltag. Das Geheimnis wird besungen, mit verschlüsselten Texten besprochen und auf dem Bildschirm stetig abgewandelt. Es bleibt letztlich trotz Aufzeichnungen, gespeicherten und weiterverarbeiteten Daten ein Geheimnis.





DENISE KRATZER/JAN HÄNNI

(FHNW HGK INSTITUT MEDIENKUNST)


KLANGCODE

(2007), Installation
‹Klangcode› zerlegt Sprache in ihre Phoneme und verwandelt physische Bewegung in Lautpoesie. Diese Installation greift auf den Ursprung des Kulturträgers ‹Alphabet› zurück und thematisiert die Sprache, die sich aus Tönen und Klängen zusammensetzt. Neun Lautsprecher sind in einer Reihe auf Augenhöhe an der Wand montiert. Tritt der Rezipient an einen Lautsprecher heran, ertönt aus diesem Lautsprecher ein Phonem. Dieser Klang hält an, solange der Rezipient verweilt. Durch die Lautsprecheranordnung ist es ihm möglich, beim Vorbeigehen einen Satz zu hören.





CYRILL LIM

(HKB MUSIK UND MEDIENKUNST)


GÄNSEBLÜMCHENKETTE

(2008), Installation
Jede Wandlung von Klang, von Digital nach Analog und zurück, jeder Baustein in der Kette von Wiedergabe und Aufnahme, wie Mikrofon, Verstärker oder Lautsprecher, all dies greift in das Originalmaterial ein und verändert es. Ausgehend vom reinsten Klangmaterial, einem Sinuston, werden mittels exzessiv wiederholter Wiedergabe und Aufnahme durch diverse Geräte Obertonstrukturen und Geräusche hinzugefügt, verzerrt aber auch herausgefiltert. Nur allein mit den Medien wird dieser anfängliche Sinuston musikalisch gestaltet und zu Klang. Dabei thematisiert wird die Verzerrung der Abbildung durch die Medien und die Selbstreflexion des Mediums.



TIMO LOOSLI/DANIEL WERDER

(HKB MUSIK UND MEDIENKUNST)


THE LOOP

(2008), Installation
Ein aussterbendes Medium, auf dem unzählige Terabytes an Daten und Stunden an Audiomaterial gelagert werden, dient als Grundlage für diese Klanginstallation: das Magnetband. Eine riesige Bandschlaufe wird an zahlreichen Aufnahme und Wiedergabeköpfen vorbeigeführt, welche mit Mikrofonen und Lautsprechern ausgestattet sind. Die Aufnahmeköpfe speichern die Geräusche im Raum, die Wiedergabeköpfe machen es zeitverzögert wieder hörbar. Diese Information wird dann wiederum von den Mikrofonen aufgenommen, jedoch durch das Band, die Lautsprecher und den Weg medial verzerrt. So werden Klänge aufgezeichnet, abgespielt, verzerrt, wieder aufgezeichnet und überschrieben.



EVA MOLINE/SILVIA POPP

(F&F ZÃœRICH)


SEV PROTECTED - SAFETY THROUGH RECORDING

(2008), Installation
Oft ohne unser Wissen und sicher immer ohne unser Einverständnis werden wir tagtäglich von Überwachungskameras gefilmt. Das meiste dieses Erinnerungsmaterials verrinnt unbemerkt. Die Idee hinter den pausenlosen Aufnahmen ist die Illusion, dass eine Erinnerungsinstanz für Sicherheit sorgt, dass eine allwissende Erinnerung Auskunft geben kann und die Guten von den Bösen getrennt werden. Für Shift 2008 wird eine offizielle Erinnerungsinstanz gebildet: Sie nennt sich SEV, stellt ein Überwachungsequipment auf und erhebt Anspruch auf die Autorität des offiziellen Überwachers.





DAVID SIEPERT

(FHNW HGK INSTITUT KUNST)


ME VOY A DEMORAR

(2008), Installation
‹Me voy a demorar› stellt die Frage nach dem aufzeichnenden Medium. Es verbindet die Unmittelbarkeit des Analogen mit den Möglichkeiten des Speicherns und Veränderns einer digitalen Aufzeichnung. In einer Durchgangssituation trifft der/die Besucher/in der Ausstellung auf eine Parkettbodenfläche. Betritt er oder sie diese, zeichnen Mikrofone unter dem Holzboden die Geräusche der Schritte auf. Zeitlich verzögert und durch einen programmierten Algorithmus verändert, werden die Geräusche über an der Decke platzierten Lautsprechern wiedergegeben. Ohne es zu merken treten die Besucherin/der Besucher in die akustischen Fussstapfen ihrer VorgängerInnen.





HANNAH WEINBERGER

(ZHDK MEDIALE KÃœNSTE)


OHNE TITEL

(2008), Installation
Die Arbeit besteht aus einer Auswahl von Bildschirmkompositionen, welche als Screenshots festgehalten und auf Papier bedruckt sind. Der Inhalt besteht ausschliesslich aus Ergebnissen der Google Suchmaschine und weiteren Programmen, welche vom Unternehmen Google Inc. finanziert werden. Ziel ist es, möglichst alles zu nutzen, was Google zu bieten hat, u. a. Google Map, die Sprachtools, Google Groups und Blogs und das komplette Google Office Angebot.