Ausstellung

Ausstellungshalle

 

Do, 22.10. – So, 25.10.2009



Die Ausstellung von Shift 09 zeigt künstlerische Arbeiten, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Verschränkung und Verbindung von Magie und Technologie auseinandersetzen: mit Geistern, die sich in den Störungen des technologischen Dispositivs manifestieren und anderen Facetten des Spektrums von übersinnlichen Wahrnehmungen; mit den Zauberstäben unserer Zeit, mit Tricks und Trickstern; mit Programmiercodes als Zaubersprüchen und mit jahrhundertealten Ritualen im Medienzeitalter.



Führungen:
Deutsch: Do 20.00 h, Fr/Sa 13.00 h und 21.00 h, So 13.00 h
Englisch: So 16.00 h




AIDS-3DCraig Baldwin Zoe BeloffLindsay BrownErik BüngerJim CampbellCenter for Tactical MagicSusan CollinsBill DomonkosThe Einstein's Brain Project F18 Atelier Hauert/Reichmuth/Boehm Christoph KellerJulien MaireTatjana Marusic Jane D. Marsching Shusha NiederbergerRuth SergelHarm van den DorpelApichatpong Weerasethakul Patrick Ward




Aids-3D

(Daniel Keller, *1986, Detroit/USA; Nik Kosmas, *1985, Minneapolis/USA – leben in Berlin/DE)


Ghost Throne

(2007) Closed-Circuit Videoinstallation

"Ghost Throne" von Aids-3D ist ein Kunstwerk,  das eine primitive hybride Realität erzeugt, indem es das Signal einer Überwachungskamera digital mit Informationen aus der Geisterwelt überblendet. Die Installation ist inspiriert vom Spiritismus, einer Schein-Religion, die für ihre pseudowissenschaftliche Jenseits-Forschung frühe Technologie wie die Fotografie und die Telegrafie nutzte. Mit einer Kamera und einem VJ-Programm als Seance-Ausrüstung nimmt das Publikum an einem banalen „nekromantischen Informationsaustausch“ (Erik Davis, Techgnosis, S.74) mit einem Geisterkönig teil, dessen spukhafte Erscheinung lose aus verschiedenen archetypischen Bösewichten, die in unserem kollektiven Gedächtnis herumgeistern, zusammengesetzt ist.



Shift Talk: Fr, 14.00 h, Lounge
www.aids-3d.com







Craig Baldwin

(*1952 lebt San Francisco/USA)


Spectres of the Spectrum

(1999) Video (93 Min.)



Craig Baldwins Film erzählt die Geschichte der Elektrizität und der elektronischen Medien als Drama um Rivalität, Krieg, Macht und Verstrickungen in magische Praktiken. Aufgebaut ist das Werk aus unzähligen Found footage-Schnipseln aus frühen TV-Shows, Spielfilmen, Werbespots, Industrie- und Schulfilmen.  Als Rahmenhandlung dient eine dystopische Science-Fiction-Story, in der BooBoo, eine junge Telepathin, und ihr Vater Yogi, der eine Piraten-Fernsehstation betreibt, gegen die diktatorische „Neue Elektromagnetische Ordnung“ kämpfen. "Spectres of the Spectrum" mischt Sci-Fi mit Dokumentarfilm, B-Movie-Parodie mit Agitprop sowie Verschwörungstheorie und ist bereits zum Klassiker avanciert.
www.othercinema.com






Zoe Beloff

(*1958, Edinburgh/UK, lebt in New York)


The ideoplastic  materializations of Eva C.

(2004) Stereoskopische 4-Kanal Videoinstallation mit Surround Sound



Zoe Beloff hat sich in mehreren Arbeiten mit dem Spiritismus um 1900 auseinandergesetzt. In "The ideoplastic materializations of Eva C". sind lebensgrosse Figuren zu sehen, die als Stereoprojektionen den dreidimensionalen Raum zu bevölkern scheinen. Diese medientechnisch erzeugten Phantome vollziehen die Wiederaufführung von zehn Séancen, die das berühmte Medium Eva C. in Paris und in Algerien zwischen 1904 und 1912 – vermutlich ebenfalls mithilfe medientechnologischer Tricks – durchgeführt hat. Die Arbeit spielt mit Strategien des Beeindruckens (ähnlich denen einer Séance) offenbart aber gleichzeitig ihr medientechnologisches Dispositiv. Wichtig ist der Künstlerin zudem die Gender-Perspektive: Viele spiritistische Medien waren weiblich, sie waren aber nicht durch ihr eigenes Sprechen, ihre eigenen Identität berühmt, sondern nur als Übermittlerinnen der Stimmen anderer.

Gebäude E (Keller)
Shift Talk: Sa, 17.30 h, Lounge






Lindsay Brown

(*1969, lebt in Edinburgh/UK)


The Electric Chair 

(2009) Installation/Video



Die „HMS Saucy“, ein Rettungsschiff der britischen Marine, sank 1940 mit 26 Menschen an Bord nach dem Aufprall auf eine deutschen Mine vor der schottischen Küste. Taucher erzählen von seltsamen Vorkommnissen beim Wrack: Es seien Lichtblitze zu sehen, ungewöhnliche Klänge zu hören und es gebe Kräfte, welche die Taucher unten zu halten versuchen.

Untersuchungen haben ergeben, dass an Orten, an denen Menschen solche Spuk-Erfahrungen gemacht haben, vermehrt tieffrequente elektromagnetische Aktivität vorkommt. Lindsay Brown hat solche Phänomene beim Schiffswrack gemessen. Ihr Messgerät ist ein Stuhl, der mit Kupferdraht umwickelt wurde und so als Spule funktioniert. In der Ausstellung können die Besucher mit dem Stuhl das sie umgebende und von ihnen ausgehende elektromagnetische Feld hörbar machen. Browns Methode ist nicht „scientific“, also wissenschaftlich, sondern „scientistic“, wie sie sagt, – ein Spiel mit den Dualitäten von Wissenschaft und Kunst, Realität und Glauben, Wahrheit und Metapher. 

Shift Talk: So, 16.00 h, Lounge






Erik Bünger

(*1976, Växjö/SE, lebt in Berlin/D und Stockholm/SE)


Gospels

(2006) Video (22 Min)



Erik Bünger hat aus unzähligen Interviewschnipseln aus Film- und Musikdokumentationen sowie Nebenprodukten der amerikanischen Unterhaltungsindustrie einen unablässigen Reigen von Lobpreisungen destilliert. Der Gepriesene scheint übermenschliche Eigenschaften zu haben, sehr mächtig zu sein, gleichzeitig aber auch ein Besessener und gefährlich. Ist von einem Messias die Rede? Von einem Magier? Verweisen Metaphern, wie „er war ein Empfänger, ein offener Kanal“, auf  Medientechnologie, auf Religion, auf Magie? In Gospels werden Dinge beschrieben, aber nie benannt. Es scheint von etwas die Rede zu sein, das sich gewissermassen ausserhalb der gebräuchlichen Sprache, ausserhalb der alltäglichen Wahrnehmung abspielt, und das abwesend bleibt. Vielleicht entfaltet Magie gerade dann ihre stärkste Wirkung, wenn sie sich der Wahrnehmung und Beschreibung entzieht, und stattdessen die Imagination und Fantasie zum Zug kommen lässt.

Lecture Performance "A lecture on schizophonia"  von Erik Bünger: Sa, 19.30h, Schaulager
www.erikbunger.com






Jim Campbell

(*1956, Chicago, Illinois/USA; lebt in San Francisco/USA)


East Broadway

(2009) Objekt mit Fotografie, Elektronik, LEDs



In "East Broadway" hinterlegt Campbell eine hochaufgelöste Fotogravur einer New Yorker U-Bahnstation mit einem niedrig aufgelösten LED-Video. So scheinen Schatten von Menschen über das Bild zu huschen und die Station zu betreten oder zu verlassen. Campbells Update der Geisterfotografie des 19. Jahrhunderts mit den technologischen Mitteln von heute erzeugt einen wohligen Schauer des Unheimlichen und zeigt, wie in den Ungenauigkeiten eines jeden technischen Mediums Gespenster lauern.
www.jimcampbell.tv



 

 




Center for Tactical Magic

(*2000, USA)
Unter dem Slogan „Mixing Magic, Art & Social Engagement“ arbeitet die Künstlergruppe Center for Tactical Magic an der Schnittstelle von Kunst und politischem Aktivismus und setzt dabei das Themenfeld der Magie taktisch ein.

Magic(k) Wands

(2008) Objektsammlung

 

"
Magic(k) Wands" zeigt das charakteristischste Symbol für Magie: den Zauberstab (engl. magic wand). Im Verlauf der letzten paar tausend Jahre haben sich Zauberstäbe verändert, sind ausdifferenzierter und spezialisierter geworden. Heute gesellen sich Fernbedienungen, Strichcode-Scanner, Metalldetektoren, Massagegeräte und anderes zu den traditionellen Werkzeugen von Ritual und Unterhaltung, die das Ziel haben, die Magie unseres Alltags zu beschwören. Während Marketingspezialisten verkünden, man müsse den richtigen Stab für eine bestimmte Aufgabe benützen, insistieren die meisten Hexen und Magiere darauf, dass die Magie nicht im Zauberstab liege, sondern in der Person, die ihn in der Hand hält.“
www.tacticalmagic.org




Witches' Cradle

(2009) Installation



Während der Hexenverfolgung gab es die verbreitete Foltermethode, Hexen in einen Sack zu stecken, der aufgehängt und ins Schwingen gebracht wurde. Leute begannen bald mit dieser Methode zu experimentieren, da diese neben Unwohlsein auch Halluzinationen hervorrufen konnte. Ähnliche Methoden nutzten Schamane und Derwische bereits seit langer Zeit. Das komplexe Objekt erfuhr in den letzten hundert Jahren weitere Bedeutungsanreicherungen: vom Spielzeug zu Lynch Mobs, von Houdinis Befreiungstricks über New Age-Salztanks und die Experimente zur Bewusstseinserweiterung in den Gegenkulturen der 1960er-Jahre bis zur Revision von Folter in der jüngsten US-Geschichte. "Witches’ Cradle" dient als Pendel, das zwischen unseren kollektiven Träumen und Alpträumen schwingt.






Susan Collins

(*1964, London/UK, lebt und arbeitet in London/UK)


The Spectrascope

(2005-2009) Webstream, Sound



Susan Collins installierte 2005 eine Webcam in South Hill Park, einem Herrenhaus in Berkshire (UK), in dem es angeblich spukt. Die Webcam überträgt seither Bilder mit einer Geschwindigkeit von einem Pixel pro Sekunde, so dass der Aufbau eines vollständigen Bildes 21 Stunden und 33 Minuten dauert. Während dieser Zeitspanne schleichen sich, wenn vielleicht auch nicht die „echten“ Geister aus South Park Hill, so doch in Form von Fehlern die Geister der Maschine ein. Zu hören ist dazu eine Soundfrequenz von 19 Hz, wie sie in Spukhäusern häufig vorkommt. An der Grenze der menschlichen Hör- und Sehwahrnehmung gelegen, kann diese tiefe Frequenz Halluzinationen hervorrufen – oder eben Geister zum Vorschein bringen.


Gebäude E (Keller)
Shift Talk: Sa, 14.30 h, Lounge
www.susan-collins.net 






Bill Domonkos

(*Toledo/USA; lebt in Oakland/USA)


The Ambient Medium

(2007) Video (10 Min)

 



Inspiriert von der Geisterfotografie des 19. Jahrhunderts, den Experimenten von Nikolai Tesla, Science Fiction und paranormalen Phänomenen, hat Bill Domonkos Material aus Industrie-, Werbe- und Schulfilmen sowie eigene Animationen und Klänge zu einer assoziativen Geschichte montiert. Im resultierenden bedrohlich-unheimlichen Szenario verdichtet sich die Kombination des Rationalen mit dem Irrationalen, wie sie der Technologie inhärent ist. Das Material stammt aus dem Prelinger Archive, das seine Sammlung online zur Weiterverarbeitung zur Verfügung stellt.

Credits:
Regie: Bill Domonkos
Originalmusik: Peter Charles Dunne
Zusätzliche Musik: Aero-mic’d
www.bdom.com






 

The Einstein's Brain Project

(Alan Dunning, Morley Hollenberg und Paul Woodrow, gegründet 1996, Calgary/CAN)


The ghost in the machine

(2008) Installation



Electronic Voice Phenomenon (EVP) bezeichnet die Idee, dass mittels technischer Aufzeichnung mit Verstorbenen kommuniziert werden kann. So werden beispielsweise Tonbandaufnahmen solange verstärkt und wiederholt angehört, bis Worte erkennbar werden. Für die einen sind das Stimmen von Verstorbenen, für andere Phänomene von Pareidolie, also der Tendenz, beim Wahrnehmen immer nach Bekanntem zu suchen. Dunning, Hollenberg und Woodrow koppeln dies nun mit aktuellen Methoden von Bild- und Spracherkennungssoftware, die sie anstelle der menschlichen Geistersucher akustisches und visuelles Rauschen analysieren lassen.

Die Maschine, die der menschlichen Wahrnehmung nachempfunden ist, beginnt ebenfalls pareidolische Gesichter bzw. Gespenster zu sehen und Stimmen zu hören. In der Installation läuft dieser Analyseprozess in Echtzeit.

Shift Talk: Fr, 16.00h, Lounge
www.ucalgary.ca/~einbrain/new/main.html






F18

(Stefan Doepner, *1966, Bremen/D; lebt und arbeitet in Ljubljana/SLO und Hamburg/D; Jan Cummerow, *1970, Kiel/D, lebt und arbeitet in Hamburg/D)


Living Kitchen - Happy End of the 21s Century

(2006) Installation



Das f18institut – Institut für Kunst, Information und Technologie setzt sich seit seiner Gründung 1996 in Hamburg mit Robotik und Kunst auseinander. Viele der Installationen sind in ihrer Absurdität kritische Anmerkungen zum herrschenden Technologie-Wahn. Living Kitchen spielt mit dem Unerwarteten und lässt Gegenstände in der alltäglichen Küchenumgebung auf unheimliche Weise lebendig werden, so als hätten es sich die herbeigerufenen Geister in der ausstellungseigenen Küche bequem gemacht.

Credits:
Co-author: Jan Cummerow, *1970, Kiel/D; lebt/ lives in Hamburg/D)
Support: Wolfgang Werner, Lars Vaupel

Shift Talk: So, 15.00 h, Lounge
www.f18institut.org 






Atelier Hauert-Reichmuth

(Sibylle Hauert, *1966; Daniel Reichmuth, *1964; in Zusamenarbeit mit Volker Böhm, *1971 und Daniel Bisig, *1968)


Trickstr 

(2007/09) Installation



Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth bezeichnen ihr Werk als „audio-visuelle Umgebung mit künstlicher Persönlichkeit“. Das Publikum kann auf einer Bühne vor einer mächtigen Lichtpixelwand mit dem audiovisuellen Geschehen interagieren. Das Environment agiert und reagiert aber nicht nur in visuell und sonor abstrakten Bildern, TRiCKSTR besitzt auch eine Stimme, die Kommunikationsbereitschaft zeigt, sobald Menschen den Aktionsraum betreten, während sie sonst in Nachsinnen über sich selbst verfällt. Versuche, künstliche Wesen zu erschaffen, gibt es seit Jahrhunderten sowohl in der Magie, als auch in der Wissenschaft und Technologie. Der TRiCKSTR ist ein Exemplar dieser Gattung, das sich schon im Namen als Hochstapler offenbart (eng. Trickster = Trickbetrüger, Schwindler), aber mit seinem trügerischen Wesen – das die Menschen verführt, sich auf sein Spiel einzulassen – das Gegenteil beweist.

Gebäude E (Keller)
Shift Talk: Fr, 17.00 h, Lounge
www.trickstr.ch






Christoph Keller

(*1967, Freiburg/D, lebt in Berlin/D)


The more tourism becomes possible the more derivishism becomes impossible

(2009) Video (15 Min)



Christoph Keller setzt sich in seiner Arbeit immer wieder mit magischen Praktiken (etwa Trance) und Phänomenen an der Grenze zum „Paranormalen“ auseinander. Für die Videoarbeit, die während Shift zu sehen ist, hat er sich mit den Derwischen des Mevlânâ-Ordens in Anatolien beschäftigt. Während das Filmen und Fotografieren an der eigentlichen religiösen Zeremonie verboten ist, wird anlässlich des 801. Geburtstags des Ordensgründers Jalâl al-Din Rumi ein grosses TV-Spektakel inszeniert, dem u.a. der türkische Ministerpräsident Erdogan beiwohnt. Die Derwische und ihr jahrhundertealtes religiös-magisches Trance-Ritual bleiben jedoch von dieser medial-technologischen, politischen und popkulturellen Rahmung unbeeindruckt. 
www.christophkeller.com






Julien Maire

(*1969, Metz/F; lebt in Berlin)


Digit

(2006) Installation



Ein Mann sitzt an einem Tisch und schreibt einen Text, indem er lediglich mit den Fingern leicht über das Papier streicht. Das Publikum kann aus unmittelbarer Nähe zuschauen, keine technologischen Hilfsmittel sind sichtbar, es scheint Magie im Spiel zu sein. Maire verweist mit der Arbeit auf die Zauberkunst (im Sinne eines Illusionismus) – die mittels technisch unterstützter ausgeklügelter Tricks zu verblüffen weiss – ebenso wie auf die surrealistische écriture automatique und die Cut-Up-Schreibtechnik von William S. Burroughs.

Shift Talk: Sa, 15.30 h, Lounge
http://julienmaire.ideenshop.net








Tatjana Marusic

(*1971, lebt in Berlin/D und Luzern/CH)


The memory of a landscape

(2004) 3-Kanal-Videoinstallation
Sound: Bernd Schurer



In "The memory of a landscape" befinden sich Landschaft und Reiter in einem kontinuierlichen Prozess des Verschwindens und Entstehens. Ausgehend von Winnetou-Filmen wird hier die Narration auf das endlose Durchstreifen von weiten hügeligen Landschaften reduziert, auf die zum Klischee gewordene Fiktion von „Freiheit und Abenteuer“. Die typischen Fehler, die bei digitalen Videodaten entstehen können – sogenannte Kompressionsartefakte – entwickeln in dieser Arbeit eine Art Zauberkraft, welche die Bilder vor unseren Augen auflöst, aber auch wieder zusammensetzt. So entstehen Analogien auf mehreren Ebenen: zwischen dem Prozess des Erinnerns und Vergessens, der Fiktion von und der Sehnsuch nach „Freiheit“, den Mängeln und Störungen von Datenströmen und dem Hin- und Weg-Zaubern.

Shift Talk: Sa, 13.30 h, Lounge
http://tatjanamarusic.com








Jane D. Marsching

(*1968, lebt in Boston, Mass./USA)


para://adatabaseofwonders

(2000-2001) Webseite



Jane D. Marschings Datenbank basiert auf dem Phänomen der Pareidolie, der Tatsache, dass die menschliche Wahrnehmung auch in unstrukturierten Bildern nach erkennbaren Mustern und nach Bekanntem sucht. Jane D. Marsching hat im Internet solche Bilder gesammelt: NASA-Aufnahmen vom Mars, auf denen menschliche Gesichter erkennbar werden, Marienerscheinungen in Wolken, Gedankenfotografien. Ihre Sammlung verbindet dabei Strukturen digitaler Datenbanken mit der Tradition von Kuriositätenkabinetten und Wunderkammern und zeigt Parallelen in der assoziativen Verknüpfung von Daten: das Netz als "Wunderkammer". 
www.janemarsching.com








Shusha Niederberger

(*1974, Sursee/CH, lebt in Zürich/CH)


GodMode

(2009) Installation/Software



Ein Programmiercode hat die Eigenschaft, als ausführbare Sprache etwas erscheinen zu lassen oder in Bewegung zu bringen – darin unterscheidet sich dieser nicht von einem Zauberspruch. Shusha Niederbergers Installation „GodMode“ spielt mit dieser Parallele. Der Programmiercode ist sichtbar, ebenso wie das Resultat seiner Ausführung; – es handelt sich um eine Animation. Gleichzeitig wird der Code von einem Text Text-to to-Speech-Programm vorgelesen. Dieser roboterhafte Beschwörungsgesang und seine Störungen durch Umgebungsgeräusche beeinflussen wiederum das Erscheinungsbild der Animation. Eine externalisierte Selbstgesprächsmaschine lässt die Zeichen in ihren verschiedenen Medien zirkulieren, überspringen und Funken schlagen.

Shift Talk: Sa, 16.30 h, Lounge
www.shusha.ch








Ruth Sergel

(lebt in New York, USA)


Magic Box 

(2009) Installation, Isadora & Arduino



Die “Magic Box“ ähnelt den präkinematografischen Medien-Apparaturen des 19. Jahrhunderts: eine Holzkiste mit Gucklöchern auf zwei gegenüberliegenden Seiten. Beim Erspähen des Inneren des Wunderkastens sieht man einen Film, der für das Gegenüber nicht sichtbar ist. Bei dunklen Stellen innerhalb des Films, kann man durch die Box hindurch das Auge des anderen Beteiligten erkennen. Die Schieber auf der Vorderseite der Bedienplatte dienen zur Auswahl des zu betrachtenden Videos, wobei jeder Betrachter eine eigene Bedienung hat. Wenn beide Beteiligten den Regler auf die äusserste Position schieben, berühren sich ihre Hände. Zwei Fremde, die sich gegenseitig in die Augen schauen, an den Händen berühren und gleichzeitig je ihren eigenen Film betrachten; dies sind alles Wechselwirkungen, welche sich mit Technologie, Magie und dem Zauber einer menschlichen Berührung auseinandersetzen.

Gezeigt werden folgende filme: The Legendary Torrini, Let's Go to the Movies!, Children of Light, Giovanna

Gebäude E
Credits:
Darsteller: Luigi Coppola, Johanna Levy, Clara Palavesin
Musik: Erik Friedlander, Michael Montes
Holzbau: Paul DiPietro
http://streetpictures.org/magicbox








Harm van den Dorpel

(*1981, Holland, lebt und arbeitet in Amsterdam/NE)


forest/lines

(2008) Software



Harm van den Dorpel gehört zu einer neuen Generation von Künstlern, die im Internet arbeiten und dabei auf die frühe Netzkunst zurückgreifen, jedoch einen frischen Umgang mit dem Medium pflegen. Sein Projekt „forest/lines“ vermischt die Ästhetik früher Bildschirmschoner, generative Netzkunst, perspektivische Illusion und Collage sowie die alte Frage von Natur und Künstlichkeit zu einer Arbeit, die in einem simplen, humorvollen Setting an paranormale Erscheinungen und/oder technische Special Effects gemahnt. Die hier gezeigte Ausstellungsversion dieser Netz-Arbeit fällt, einem Bildschirmschoner ähnlich, in einen nicht-interaktiven Modus, wenn sie nicht vom Publikum bedient wird.


Shift Talk: Fr, 13.00 h, Lounge
www.harmvandendorpel.com








Apichatpong Weerasethakul

(*1970, lebt und arbeitet in Thailand)


Phantoms of Nabua

(2009) Video, Installation (11 Min.)



Der kurze Film des thailändischen Regisseurs schildert und profanisiert Erscheinungen und Rituale. In der Eingangssequenz schlagen aus dem Nichts kommende Blitze in eine undefinierbare Landschaft ein – vielleicht das Resultat eines magischen Vorgangs. Die Kamera zoomt aus, das Blitz-Bild gibt sich als Projektion auf einer Leinwand zu erkennen, die provisorisch auf einem kleinen Platz unter einer Neonröhre aufgestellt wurde. Junge Männer bevölkern langsam den Platz, sie spielen mit einem brennenden Fussball: Ernst und Spiel verbinden sich organisch, sogar als der Ball die Leinwand in Brand setzt und damit die Blitz-Erscheinung zum Verschwinden bringt. Sichtbar wird stattdessen, was die Erscheinung erzeugte: der Projektor mit seinem nunmehr schwach blinkenden Licht. Unser Glaube an die Magie mag aus unserer Welt verschwunden sein, aber bei genauerer Betrachtung bleibt vielleicht doch ein Rest von dem, was diese erzeugte.

Credits:
Besetzung: Kumgieng Jittamaat, Miti Jittamaat, Phetmongkol Chantawong, Nuttapon Kemthong, Atapon Werniw, Tongsit Rachasit, Vinai Kriyafai, Attapol Ratchasin, Surasuk Kriyafai, Anuwut Kriyafai, Weerachon Jittamaat
Kamera, Schnitt und Regie: Apichatpong Weerasethakul
Produzent: Simon Field, Keith Griffiths
http://www.animateprojects.org






Patrick Ward

(*1977 in Sheffield/UK, lebt und arbeitet in Ljubljana/SLO und London/UK)


RECEPTION

(2004) Video (4min)
Commissioned by Site Gallery Sheffield, funded by Esmee Fairbairn Foundation

Das Thema von „Reception“ ist das paranormale Potential von Fernsehen und Video, wie es in Spielfilmen imaginiert wird. Patrick Ward hat Filmszenen gesammelt, in denen übernatürliche Kommunikation über Fernsehgeräte stattfindet. Sein Video zeigt aber nicht die eigentliche Nachricht, sondern nur deren Rahmung bzw. das technologische Dispositiv: Die Interieurs, das Fernsehgerät, den Unterbruch des Programms durch Bildstörungen, schliesslich das Bildrauschen - das Paranormale scheint immer mit den Störungen des Mediums verbunden zu sein- So unterläuft das Video unsere Erwartung, belässt uns im Zustand der aufgeregten Erwartung und regt unsere Imagination an – das magische Potential der elektronischen Medien zeigt seine Wirkung. 

Shift Talk: Fr, 15.00 h, Lounge
www.patrickward.eu