Thema 2009:  

Magic. Ãœbersinnlichkeitsvermutungen und

Technologiebeschwörungen

Spätestens seit die Spiritisten und Okkultisten des 19. Jahrhunderts ins Jenseits  zu telegrafieren und Geister zu fotografieren vorgaben, gibt es eine reiche Wechselbeziehung von Magie und  - jeweils neuen - Medien. Die technischen Medien – von der Fotografie, über Telegrafie und Radio bis zum Computer –, zumeist Produkte rationaler Wissenschaft oder geistreicher bzw. zufälliger Erfindungen, eignen sich für die Projektion  übersinnlicher Verbindungen und magischer Kräfte, da ihnen ein Rest an Ãœbernatürlichkeit oder Zauberkraft innezuwohnen scheint. Fasziniert oder ängstlich, erwartungsfroh oder gar gläubig, betrachten wir Kunst und Medien bisweilen als magische Kanäle. Das beginnt im Alltag, beispielsweise wenn der Computer etwas „wie von selbst“ macht.  

In der Kunst ist in jüngster Zeit ein neues Interesse an magischen Praktiken und ihrer Geschichte zu beobachten, gerade auch vor dem Hintergrund der Omnipräsenz technischer Kommunikation und der damit einhergehenden permanenten Ãœberforderung. Dabei geht es zumeist nicht um ein Abdriften ins Esoterische, sondern eher um eine experimentelle Untersuchung über das Wechselspiel zwischen technischen Allmacht-Visionen und  spielerischen Subversionen vermeintlicher Subjektivität und Souveränität. 

Das Thema hat eine wichtige historische Komponente: Technische Medien haben (neben menschlichen Medien) eine wichtige Rolle gespielt beim Boom von Spiritismus und Okkultismus um 1900. Medientechnologie wurde (und wird) zum Aufspüren oder Sichtbarmachen von Ãœbersinnlichem eingesetzt – häufig mit bewusster Scharlatanerie verbunden (Geisterfotografie, Camera Obscura, Holografie). 

Zu untersuchen sind am Festival aber auch und in erster Linie aktuelle Verbindungen von Medien und Magie: Es gibt "magische" und beschwörende, optimistische und pessimistische Umgangsformen und -stile in der Beziehung zu Medien und Technologie, zu (literarischen und musikalischen) Automaten und (industrieller) Automation, im Alltag wie in der Politik (Staaten, Religionen, Sekten). Im Alltag setzen wir uns ständig mit der Magie und Monstrosität der "Black Box" Computer auseinander, es liegt nahe, mit Technologie-Beschwörungen und Ãœbersinnlichkeitsvermutungen zu reagieren . 

Schliesslich gibt es ein starkes künstlerisches Interesse an magischen Praktiken. Ein solches Interesse der Kunst, insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg (vor dem Hintergrund der Totalitarismen des 20.Jh), richtet sich oftmals gegen die Rolle des Künstlers als souveränes Subjekt bzw.  speist sich aus einer Skepsis gegenüber einem Rationalismus, der die Gefahr des Totalitären birgt.

Demgegenüber steht gleichzeitig eine stark personalisierende Tradition magischer Vorstellungen über das positive Genie des Künstlers als Zauberer oder Schamane.  Und schliesslich hat die Magie als Inhalt (neo-)konzeptueller Kunst-als-Recherche Konjunktur.    

Den Text zum Thema können Sie hier runterladen (PDF).