Schaulager


Fr 29.10. – So 31.10.2010

Verlorene Wirklichkeiten, wiederentdeckte Archive, rekonstruierte Wahrnehmungen unter Bedingungen neuster Medienentwicklungen — das zeigt das Film-, Video- und Vortragsprogramm von Shift. In Zusammenarbeit mit Ute Holl, Professorin für Medienwissenschaft an der Universität Basel, wurden Kuratoren, Forscherinnen, Künstler und  Wissenschaftlerinnen eingeladen, ihre Sicht auf Geschichte und Zukunft der Medien in Vorträgen und Screenings zu präsentieren. Wie Medien Vergangenheit in bewegten Bildern speichern, aufbewahren, übertragen, modifizieren, wie Medien Geschichte prägen, verbreiten und unseren Blick leiten und welche Zugriffe auf kulturelle Gedächtnisse neuere Medien organisieren, wird in zahlreichen unterschiedlichen Produktionen auf hintergründige aber auch unterhaltsame Art vorgeführt. Dabei geht es immer auch um persönliche Vorlieben und um  Zeitsprünge, welche unerwartete Verwandtschaften zu Tage bringen.

Zusammenstellung und Moderation:
Katharina Dunst & Ute Holl




Fernsehen als Kunst - eine Annäherung



Screening

Kuratiert und präsentiert von

René Pulfer


Fr 29.Oktober 2010, 16h

Sa 30. Oktober 2010, 13 h mit Einführung von René Pulfer
Sprache: deutsch (Einleitung)

René Pulfer, (*1949), Künstler, Kurator

Leiter Institut Kunst, Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW HGK

René Pulfers Programmbeitrag entführt uns auf eine Videoreise ins Fernsehen Mitte der 1980er-Jahre. Als Schweizer Premiere zeigt er seinen inzwischen 23-jährigen Beitrag zu „Revision-Art Programmes of European Television Stations“,  ein 1987 am Stedelijk Museum in Amsterdam initiiertes, internationales Ausstellungsprojekt. Es hatte zum Ziel, die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen Kunst und Fernsehen aus acht europäischen Ländern zu untersuchen.

Die Fragestellung, ob Kunst am Fernsehen möglich sei, wurde Mitte der achtziger Jahre interessanterweise durch die wichtigsten Museen in Europa thematisiert und im Museumskontext präsentiert.

Ausschnitte aus:

Jean Otth
Vidéo Miroir (DRS, 1980)
excerpt

Gérald Minkoff, Muriel Olesen
sur l’île le navire argo cythere (TSR, 1984) 5’

Adrian Marthaler
Wolfgang Amadeus Mozart, Konzert für Violine und Orchester G-Dur, KV 216 (DRS, 1987) 25’

Jean-Luc Godard
Scenario du film „Passion“ (Coproduction TSR, 1982) 53’

Simon Edelstein
Special Cinema, Jean-Luc Godard live (TSR, 1982) 90’

André Klenk
Ein Tag auf einem Bauernhof, Agriculture Special (DRS, 1981)10 h 45’, live
Ein Flug über die Schweiz (DRS, 1983) 30’

Fred Bosman
Schwanensee
Ballet of Peter I. Tschaikowski
Live vom Theater Basel
Choreographie: Heinz Spoerli (DRS, 1986) 2 h 45’

Ruedi Oser, Fredy Bänziger, Christian von Castelberg
Schwanensee – backstage
live vom Theater Basel (DRS / TSI, 3SAT, 1986)
14 h



Somehow a Queer Archaeology



Screening

Kuratiert und präsentiert von

Denis Pernet


Fr 29. Oktober 2010, 17.30 h, mit Einführung von Denis Pernet
So 31. Oktober 2010, 12.30 h

Sprache: englisch (Einleitung)


Das Programm untersucht Ansätze, die heteronormative Herangehensweisen an die Kontruktion von Geschichte explizit herausfordern. Es werden Themen angesprochen wie das Erstellen und Verwenden eines Archivs, das Reenactment vergessener Momente der Geschichte und die anthropologische Alterität historischer Kultur. Matt Keegan nutzt die klassische Form des Dokumentarfilms, um offizielle und alternative Archivare in San Francisco zu interviewen. Pauline Boudry und Renate Lorenz rekonstruieren mit einer Performance der Choreografin und Filmemacherin Yvonne Rainer und der Künstlerin und Trans-Aktivistin Wu Ingrid Tsang den Tanz der sieben Schleier aus Alla Nazimovas Stummfilm „Salomé” (1923). Pablo Bronstein lässt Tänzer in einem Dekor, das der Künstler im Garten der Tate Britain gebaut hat, die tragischen Enden von Shakespeare-Dramen verkörpern.

 

Denis Pernet, freier Kurator, lebt in Lausanne. Realisierte Projekte: Einzelausstellungen von Pauline Boudry / Renate Lorenz, Klat, Yuri Leiderman, Adrien Missika, und Christodoulos Panayiotou.

Matt Keegan (USA)
'How do you document a city?' and other questions for the archive(s)
(2009)
Digital video, mit Ton, Farbe, 21’24’’

Pauline Boudry / Renate Lorenz (CH / D)
Salomania (2009)
Digital video, mit Ton, Farbe, 17’

Pablo Bronstein (ARG / UK)
The death of Cleopatra

Digital video, mit Ton, Farbe, 4’
Georgian Fireplace
Digital video, mit Ton, Farbe, 4’


Ein geringfügiger Unterschied



Screening

Kuratiert und präsentiert von

Doris Lasch


Fr 29. Oktober 2010, 18.30 h
Sprache: deutsch (Einleitung)

Anhand des Mediums Film untersucht Manon de Boer die Wahrnehmung von Zeit und das Schreiben von Geschichte. „Sylvia Kristel – Paris“ dokumentiert ein Treffen mit Kristel, die 1974 die Hauptrolle des erotischen Films „Emanuelle“ gespielt hatte. Im Abstand von einem Jahr wurde sie zweimal gebeten, sich an ihre Zeit in Paris zu erinnern – es entstehen zwei unterschiedliche Erzählungen, die mit ihren Abweichungen, Übereinstimmungen und Ergänzungen am Ausgangspunkt der filmischen Analyse stehen.

In Jean Eustaches „Les photos d'Alix“ zeigt eine Frau einem Jungen Fotografien in einem Buch. Von einem bestimmten Punkt an driften ihre Beschreibung und das auf den Bildern vermeintlich zu Erkennende mehr und mehr auseinander. Eine Art Verwirrung schleicht sich ein und öffnet eine poetische Welt mit anderen Gesetzmässigkeiten.

Die Künstlerin Doris Lasch (*1972, Landsberg), die meist mit Ursula Ponn (*1965, Bad Aibling) zusammen arbeitet, interessiert sich für die Konstruktion und Wahrnehmung von Geschichte. Ihre Arbeiten realisieren sie insbesondere in und mit den Medien Film und Fotografie.

Manon de Boer (NL)
Sylvia Kristel - Paris (2003)
Super 8 auf Video, mit Ton, Farbe, 40
’ frz, eng Untertitel

Jean Eustache (F)
les photos d’Alix (1980)
16 mm, mit Ton, Farbe, 18’
frz, eng subtitles



„Lost & Found“: Vom Meeresgrund – Kino um 1910 oder „Die Ersten Filme sind die Neusten Filme“



Screening

Kuratiert und präsentiert von

Mariann Lewinsky


mit Musik von Wieslaw Pipczynski (Theremin, Piano, Akkordeon)
Fr 29. Oktober 2010, 20.00 h

Sprache: englisch (Einführung)

Das frühe Kino ist ein einziges gigantisches „Lost & Found“; die Kuratorin führt ein Reise- und Fundbüro für entschwundene Wirklichkeiten und wilde objets trouvés aus den Jahren, als das Kino daran war, sich selbst zu erfinden und berauscht und selbstbewusst fortlaufend das Neuste präsentierte: den elementaren Reiz der Bewegung, die Schönheit der Farben (zu keiner Zeit war Film reicher an Farbsystemen), Unfugsattacken gegen Autoritäten (beliebteste Sportart: Polizei-Bashing), stimmungsvolle Orte hier und in exotischer Ferne, Pariser Bühnenstars. Hundert Jahre lang hat die Zeit die Filme bearbeitet, viele vernichtet, manche fragmentiert oder verfärbt. Farbzersetzung erhöht die Zauberkraft der Hexe Zoraide, und Pipczynski spielt dazu hoffentlich Theremin, das erste elektronische Instrument.

Mariann Lewinsky lebt in Zürich und kuratiert international eigene Programmreihen vor allem zu Filmen vor 1920. Als Japanologin und Filmhistorikerin hat sie publiziert, Restaurierungsprojekte geleitet und an diversen Universitäten unterrichtet.

Japanische Schmetterlinge (Papillons Japonais), F 1908
Prod. Pathé Frères, 83m, 4’, farbig (schablonenkoloriert)

Archiv: Deutsche Kinemathek
Alternat: Danses Serpentines

Strassenszene in Saarbrücken, D 1904
Prod. Anonym, 101m, 6’, schwarzweiss / b/w
Archiv: British Film Institute / National Archive Coll. Joye

Tulpen, F um 1910
Prod. Gaumont? 15m, 1’ (Fragment) farbig hand-/schablonenkoloriert
Privatsammlung

Dog Outwits the Kidnappers, GB 1908
Prod. Hepworth, R: Fitzhamon Lewin, D: Blair (Rover), Barbara Hepworth (Mädchen), Cecil Hepworth (Entführer), 135m, 7’, schwarzweiss
Archiv: British Film Institute / National Archive

Nubia. Wadi Halfa and the Second Cataract, GB 1911
Prod: Natural Color Kinematograph, 117m, 6,’ farbig (Kinemacolor)
Archiv: Cineteca di Bologna

Verbundene Lippen (Lèvres collés), F 1906
Prod. Pathé Frères, 46m, 3’, schwarzweiss
Archiv: Filmarchiv Austria

Die Beichte (La Confession), F 1905
Prod. Pathé Frères, 30m, 2’, schwarzweiss
Archiv: Cineteca di Bologna

Donnerwetter–Tadellos! Schutzmann-Lied (The Policeman's Song), D 1908
Prod: Messter, Ton: Zonophon, D: Henry Bender, Beta 3’
Archiv: Deutsche Kinemathek, Rekonstruktion: Christian Zwarg

Lea und ihr Knäuel (Lea e il gomitolo), I 1913
Prod: Cines,  D: Lea Giunchi, 95m, 5’, schwarzweiss
Archiv: British Film Institute / National Archive Coll. Joye

Die Hexe Zoraide (La Légende du fantôme), F 1908
Prod. Pathé Frères, R: Segundo de Chomon, D: Julienne Matthieu
173m, 9’, farbig (schablonenkoloriert)
Archiv: Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin

Herstellung des Leims (Fabrication de la colle), F 1909
Prod. Pathé Frères, 53m, 3’, schwarzweiss
Archiv: British Film Institute / National Archive Coll. Joye

Fireworks (Feu d’artifice), F 1905
Prod. Pathé Frères, 53m, 3’, schwarzweiss
Archiv: British Film Institute / National Archive

Kinder-Schönheitswettbewerb (Concorso di bellezza tra bambini a Torino), I 1909
Prod: Aquila, 65m, 3’, schwarzweiss

Archiv: Cineteca di Bologna





Das Experimentelle Radio: von gefundenen Objekten, Klangobjekten, Wurfsendungen und Crate-Diggern!



Vortrag

Prof. Dr. Nathalie Singer


Sa 30. Oktober 2010
14.00 h

Sprache: englisch

„Es gibt immer vergessene Platten, die in einem Studio herumliegen. Die, die mir als erste in die Hände fällt, enthält die wertvolle Stimme Sacha Guitry’s (...) Ich ergreife also die Platte, lege auf einen anderen Plattenteller den äußerst friedlichen Rhythmus eines Schleppkahns und auf zwei weitere Teller das, was mir in die Hände fällt: eine Platte mit amerikanischer Akkordeonmusik und eine balinesische Platte.“ So beschrieb Pierre Schaeffer 1948 die Entstehung einer seiner Geräuschetüden, die die Geburt der konkreten und damit der elektroakustischen Musik einläuten sollten.

Die geschlossene Plattenrille der Pioniere heisst im heutigen Jargon „loop“, die Verfahren der Klangverarbeitung und Montage „sampling“, „remix“, „scratchen“; und Baudelaires Flaneur findet sich im heutigen Crate-Digger wieder, dem DJ, der ständig auf der Suche nach neuem, ungehörtem Klangmaterial die Flohmärkte nach vergessenen Platten durchforstet.

Nathalie Singer gibt in ihrer Präsentation Rückblicke in die Geschichte der Soundtüftler und Klangfinder, sowie Einblicke in aktuelle experimentelle Radioarbeiten junger Hip-Hopper, DJs und Klangkünstler.

Nathalie Singer ist Professorin für experimentelles Radio an der Bauhaus-Universität Weimar.


Rijksweg nr. 1



Screening

Kuratiert und präsentiert von

Koen Brams


Sa 30. Oktober 2010
15.15 h

Sprache: englisch

Koen Brams richtet das Hauptaugenmerk auf den Film „Rijksweg nr. 1“ („Nationalstrasse Nr. 1), der von Jef Cornelis 1978 realisiert wurde. Der Film zeigt die „Strasse“ zwischen Kontich und Walem, zwei Dörfer zwischen Antwerpen und Mechelen. Brams wird „Rijksweg nr. 1“ mit Cornelis’ früheren Filmen über Architektur und Urbanismus vergleichen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Cornelis aufnimmt, was er antrifft – die tatsächliche Lage konstruierend und rekonstruierend.

Jef Cornelis (*1941,) war von 1963 bis 1998 Regisseur und Drehbuchautor beim VRT, der niederländischsprachigen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt Belgiens. Sein Werk aus dieser Zeit umfasst über 200 Titel und wird als bahnbrechend angesehen, was die künstlerische Qualität anbelangt ebenso wie die kulturhistorische Bedeutung.

Koen Brams (*1964, B) ist Direktor der Jan van Eyck Academie (Maastricht, NL). Er ist Herausgeber von „De Encyclopedie van Fictieve Kunstenaars“ (Amsterdam 2000; dt. „Erfundene Kunst. Eine Enzyklopädie fiktiver Künstler von 1650 bis heute.“ Frankfurt 2003). Zusammen mit Dirk Pültau publizierte er „The clandestine in the work of Jef Cornelis“ (Maastricht 2010).

Jef Cornelis (BE)
Rijksweg nr. 1 (1978)
Film, digitalisiert, mit Ton, Farbe, 43’





Never Lost & Found anyway



Vortrag

Prof. Dr. Thomas Y. Levin


Sa 30. Oktober 2010
16.30 h

Sprache: englisch

Thomas Levin wird in seinem Vortrag über „datamoshing“ sprechen, das heisst, über eine künstlerische Praxis, die auf der Ebene der Algorithmen digitaler Videokompressionen interveniert — eine parasitäre und höchst kreative Form der Erzeugung aleatorischer Bewegungs- und Zeitbilder. Dieses Verfahren, das in jüngster Zeit auch in Musikvideos zum Einsatz kam und kommt — etwa in Kanye Wests "Welcome to Heartbreak" — ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie der Missbrauch technologischer Bedingungen eine neue und expressive Syntax produziert.

Thomas Y. Levin ist Professor am Department of German der Princeton University. Er lehrt und forscht im Bereich der Medien- und Kulturwissenschaft, der Ästhetik und der Musikologie. Seine Texte erschienen u.a. in October, Grey Room, Screen und Texte zur Kunst. Er ist Übersetzer und Herausgeber von drei Büchern zu Siegfried Kracauer. Zu seinen kuratorischen Projekten gehören die erste Ausstellung zur Situationistischen Internationalen (Centre Pompidou, ICA London, ICA Boston 1989) und CTRL [SPACE], Rhetorik der Überwachung von Bentham bis Big Brother (ZKM Karlsruhe 2001).





40 Jahre Improvisation mit elektronischen Instrumenten – Vortrag mit Live-Demos



Vortrag & Screening


Bruno Spoerri


Sa 30. Oktober 2010
19.30 h
Sprache: deutsch

Von Araldit bis Zürcher S-Bahn – Filmprogramm
Fr 15.00 h
Sa  20.30 h mit Einführung von Bruno Spoerri im Anschluss an seinen Vortrag
So  16.30 h
Sprache: deutsch (Einleitung)

Bruno Spoerri (*1935), Special Guest am Shift 2010, ist neben seinem Konzert vom Freitagabend mit einem Vortrag und einem Filmprogramm vertreten.

Der Schweizer Elektronikmusikpionier hat vor über 40 Jahren begonnen, mit elektronischen Mitteln zu experimentieren, zunächst mit einfachen, selbstgebauten Effektgeräten und manipulierten Tonbändern, später als einer der ersten Besitzer eines Synthesizers in der Schweiz, bereits in den frühen 1980er-Jahren mit Unterstützung von Computern – alles mehrheitlich autodidaktisch erlernt. Vom Jazz kommend war für ihn die Improvisation stets wichtiger Teil seiner Musik. Seit den 1980er-Jahren spricht er von „computer assisted Jazz“.

Spoerri wird in seinem Vortrag über diese lange Geschichte sprechen und historische Geräte demonstrieren, etwa den EMS VCS-3 Synthesizer von 1970 oder die Computerprogramme „Music Mouse“ und „M“ für den Macintosh von 1986.

Im Verlauf seiner Karriere spielte Spoerri nicht nur unzählige Konzerte und nahm Dutzende Schallplatten auf, sondern war auch lange Jahre als Komponist und Sound-Designer avant la lettre für die Werbung und Soundtracks tätig. So hatten wohl nicht wenige Schweizer ihren ersten – und unbewussten – Kontakt mit elektronischer Musik durch einen Werbespot, einen TV-Jingle oder eine Kindersendung mit dem Soundtrack von Bruno Spoerri.

Gerade diese Auftragswerke haben in den letzten Jahren neue Aufmerksamkeit erlangt und wurden mit Veröffentlichungen auf dem britischen Label Finders Keepers auch international verfügbar. Diese Gebrauchsmusik von einst wurde, losgelöst vom ursprünglichen Zusammenhang, neu interpretiert und gewürdigt.

An Shift gibt es nun die seltene Gelegenheit, die Bilder zu Spoerris Musik (wieder) zu sehen. Bruno Spoerri hat eigens für das Festival eine Auswahl von Werbespots (er hat über 500 vertont) und Filmszenen mit seiner Musik zusammengestellt. Gezeigt werden u.a. Werbespots für Araldit Klebstoffe und Riri Reissverschlüsse (noch mit einfachsten Mitteln hergestellt), Synthesizer-Musik zur TV-Quizsendung „Wer gwünnt?“ mit Mäni Weber, Ausschnitte aus den Kinofilmen „Teddy Bär“ und „Der Kongress der Pinguine“ und viele weitere Beispiele aus Dokumentar- und PR-Filmen.



Vom Umgang mit Geschichte in der Kunst



Vortrag

Yvonne Volkart/ Anke Hoffmann


So 31. Oktober 2010
13.30 h

Sprache: deutsch

Geschichte ist immer Geschichtsschreibung, das heisst Darstellung von etwas Gewesenem. Für diese Darstellung spielten traditionellerweise das Erzählen sowie die Medien eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren hat nicht nur die Geschichtswissenschaft diese „medialen Erzählungen und Verdichtungen“ einer Revision unterzogen, auch die Kunst mischt sich vermehrt ein. Sie geht dabei über historisierende, wissenschaftliche und die in den Massenmedien und digitalen Speichern verwendeten Formen von Geschichtsschreibung und -deutung hinaus.

Anke Hoffmann und Yvonne Volkart zeigen aktuell selbst eine Ausstellung, in der der künstlerische Umgang mit Geschichte im Zentrum steht. Sie sprechen am Beispiel exemplarischer Arbeiten über die spezifischen Formen der geschichtlichen Darstellung in zeitgenössischer Kunst.

Anke Hoffmann und Yvonne Volkart sind Kuratorinnen an der Shedhalle Zürich. Ihre aktuelle Ausstellung „Überblendungen. Das Zukünftige rekonstruieren“ dauert noch bis zum 23. Dezember 2010. (www.shedhalle.ch)



Aktive Archive



Vortrag

Johannes Gfeller/ Tabea Lurk


So 31. Oktober 2010
14h
Sprache: deutsch

Die Arbeit mit verloren Geglaubtem und wieder Gefundenem inspiriert nicht nur Künstler zu kreativen Neuschöpfungen, sondern prägt auch den konservatorischen Umgang bei der Erhaltung kultureller Güter. Eine der wichtigen schweizerischen Institutionen, die sich seit 2003 dezidiert der Erhaltung und Überlieferung elektronischer Kunstwerke und Kulturgüter widmet, ist AktiveArchive. Der langjährige Leiter von AktiveArchive, Prof. Johannes Gfeller, und Tabea Lurk stellen ihre Arbeit an der Grenze zwischen Wiederentdeckung, Wiederaufführung und kuratorischer Reinterpretation vor. Dank AktiveArchive kann am Shift zudem der Videosynthesizer EMS Spectre von 1974 in Aktion gezeigt werden (Visuals am Freitagabend sowie Labor in der Ausstellung).

AktiveArchive ist ein Projekt an der Hochschule der Künste Bern und wird im Rahmen von sitemapping.ch vom Bundesamt für Kultur gefördert.



Computersimulation



Vortrag

Prof. Dr. Claus Pias


So 31.Oktober 2010
14.30 h
Sprache: deutsch

Der Vortrag von Claus Pias beschäftigt sich mit Aspekten des „Lost & Found“ in virtuellen Welten. Dabei werden Momente gegenwärtiger Wirklichkeiten in der Geschichte der Computerspielwelten und Aspekte gegenwärtiger Spielwelten in frühen Implementationen bestimmter Simulationsmodelle aus Bereichen der Ökonomie, Sozialwissenschaften und Epidemiologie gesucht.

Claus Pias ist Professor für Erkenntnistheorie und Philosophie der digitalen Medien am Institut für Philosophie der Universität Wien. Zu seinen Publikationen gehören „Computer Spiel Welten“ (2002), „Zukünfte des Computers“ (2005) und „Powerpoint: Macht und Einfluss eines Präsentationsprogramms“ (2009).



Do you believe in Users?



Vortrag

Dragan Espenschied / Olia Lialina


So 31. Oktober 2010
15.15 h
Sprache: englisch

Computer- und Netzkultur werden nur zu einem kleinen Teil von technischen Innovationen geprägt. Es ist unwichtig, wer den Mikroprozessor, die Maus, TCP / IP oder das World Wide Web erfand und welche Ideen dahinter steckten. Ausschlaggebend ist, wer sie wie benutzt. Alleine durch die User gewinnt Computertechnologie überhaupt an kultureller Bedeutung. Viele Bemühungen der User, seien es glitzernde Sternenhintergründe, Fotos süsser Kätzchen oder Regenbogenfarbverläufe, werden als Kitsch verlacht oder gar als allgemeinen kulturellen Verfall bezeichnet. Dabei ist dieser scheinbare ästhetische Wirrwarr, geschaffen von Usern für User, die wichtigste, schönste und am meisten missverstandene Sprache der Neuen Medien.

Dragan Espenschied und Olia Lialina gehören zu den Pionieren der net.art. Lialinas „My boyfriend came back from war“ und Espenschieds „Assoziations-Blaster“ gelten als frühe Meilensteine des Gebietes. Espenschied ist zudem Teil der Chiptune-Band Bodenständig 2000.

Espenschied und Lialina lehren an der Merz-Akademie Stuttgart und sind Herausgeber des Bandes „Digital Folklore“ (2009). In der Shift-Ausstellung ist ihre Arbeit „Olia's and Dragan's Comparative History of Classic Animated GIFs and Glitter Graphics“ zu sehen.




Anschliessend Schlussdiskussion, moderiert von Ute Holl