KONZERTHALLE


Do 28.10. - Sa 30.10.2010, Türöffnung 30 min vor Konzertbeginn.


Oy
- Gijs Gieskes - Bruno Spoerri - Tomek Kolczynski - Matthew Herbert - Andy Votel - Analog-Visual-Labor - Harold Schellinx - Moritz von Oswald Trio - Dorian Concept - Jimmy Edgar - Juan Atkins - Chris Air - Videokultur




DONNERSTAG, 
28. Oktober 2010

 

Oy (CH)



Live 21.30 h 


Die Zürcherin OY aka Joy Frempong ist ausgebildete Jazzsängerin und Elektronik-Musikerin. Gegenwärtig ist sie mit ihrem Erstling „First box then walk“, erschienen bei Creaked Records, unterwegs und begeisterte bereits Publikum und Presse, etwa am Jazzfestival in Montreux oder am Eurockéennes Festival in Belfort. Die Stücke auf ihrem Album sind inspiriert von Kindheitserinnerungen, eigenen, aber auch jenen ihrer Freunde. Mit Gesang, Geräuschen und Instrumentaleinlagen, die mit Loop-Pedalen aufgenommen und abermals geschichtet werden können, gibt OY den Erzählungen auf äusserst virtuose Weise und nicht ohne Humor eine unverwechselbare musikalische Gestalt. Neben ihrem Solokonzert spielt OY am Shift auch am Freitag zusammen mit Bruno Spoerri und Flo Götte.




FREITAG, 29. Oktober 2010

Gijs Gieskes (NL)



Live 21:00 h


Mit Gijs Gieskes kommt einer der umtriebigsten und originellsten Exponenten der aktuellen Elektronikbastler- und Circuit-Bending-Szene ans Shift Festival. Bei ihm wird auch mal aus einem Milchschäumer oder einem Spielzeugauto ein Instrument. Seine selbstgebauten Musikinstrumente und Bildgeneratoren sowie die Hardware-Hacking-Experimente sind am Shift live am Konzert und in der Ausstellung zu erleben und zu sehen. Ausserdem gibt Gieskes zwei Workshops, in denen von ihm entwickelte Mini-Synthesizer gebaut werden können. Im Konzert wird er seine audiovisuelle Maschine „Strobovj“ einsetzen, die einen umgebauten Gameboy beinhaltet und Parallelen zwischen animierten GIF-Bildern aus dem Netz und dem so genannten Phenakistoskop, einem Vorläufer des Films aus dem 19. Jahrhundert, schafft.

Livestream in Zusammenarbeit mit Livebeats.com




Bruno Spoerri (CH)



Live 21.30 h
mit Oy und Flo Götte - Electric Risk

Bruno Spoerri (*1935), Special Guest von Shift 2010, ist der wichtigste Schweizer Pionier der elektronischen Musik ausserhalb akademischer Zirkel. Mehrheitlich autodidaktisch hat sich Spoerri zuerst in den Jazz eingearbeitet (er spielte und komponierte seit dem 17. Lebensjahr in erfolgreichen Jazzbands) und ab 1964 in die Studiotechnik und elektronische Musik. In den 1970er-Jahren war er einer der ersten Besitzer eines Synthesizersystems in der Schweiz. Seit den frühen 1980er-Jahren arbeitet er mit Computern, woraus er sein Konzept des „Computer-Assisted Jazz“ entwickelt hat.

Ein wichtiges Arbeitsfeld von Spoerri war die Gebrauchsmusik. Er komponierte Musik für über 500 Werbespots und unzählige Filme. Gerade diese Musik wurde in den letzten Jahren wiederentdeckt, international zugänglich gemacht (auf Andy Votels Label Finders Keepers) und neu gewürdigt als hochinteressante Musik- trotz dem ursprünglich eng definierten Gebrauchszusammenhang.

Spoerri ist als Jazzer dem Prinzip der Improvisation treu geblieben und hat stets seine Neugier bewahrt. So liess er sich sofort dazu überreden, am Shift mit zwei jungen MusikerInnen aufzutreten, die ebenfalls an der Schnittstelle von Elektronik, Pop und Jazz arbeiten: Joy Frempong alias OY sowie Flo Götte. Die drei gründeten kurzerhand eine Band, die schon im Namen trägt, was Spoerri seit über 40 Jahren interessiert: „Electric Risk“.

 

Nebst seinem Konzert wird Bruno Spoerri, einen Vortrag über seine jahrzehntelange Beschäftigung mit elektronischer Musik halten und ein Filmprogramm zeigen mit Werbungen, Signeten und Filmen, die er vertont hat.




Tomek Kolczynski (CH)



Live 22.30 h


„Imitating the Parrot“ heisst die neue Performance von Tomek Kolczynski alias Kold, in der sein Vogel den Ton angibt. Mit seiner Stimme, einem Mikrofon und dem Computer improvisiert er live einen nonlinearen, eigenwilligen Kosmos, der sowohl aus atmosphärischen Klangwolken als auch aus groovigen Beats bestehen kann. Angetrieben von der Lust, Musik als Prozess unerwarteter Verwandlungen zu verstehen, wird das lautstarke Krakeelen des Papageis erwidert und im Dialog zu einem musikalischen Ganzen, das überdies mit den Live-Visuals vom Videokünstler Oguz Özlü in Interaktion gebracht wird.

Tomek Kolczynski, Sohn eines Zirkusmusikers und Barpianisten, hat sich Traditionen stets verweigert. Er studierte Audiodesign in Basel und ist seither auf musikalischer Wanderschaft, die zu verschiedenen Zusammenarbeiten u.a. mit Stimmhorn, Lars-Ole Walburg, Lukas Bärfuss und Edgar Hagen führte.




Matthew Herbert (GB)



Live 00.00 h


Der Engländer Matthew Herbert, auch unter den Pseudonymen Dr. Rockit, Wishmountain und Radio Boy aktiv, produziert House, Big-Band-Jazz und Filmmusik. Ausserdem ist er bekannt für seine Remixes von Björk und R.E.M. Herbert ist ein besonderer Sampling-Künstler, der versucht, «die Welt bei der Aufnahme mit dem Mikrophon mit aufzunehmen». Dadurch will Herbert ein Bewusstsein für den Ursprung von Samples schaffen. So produzierte er beispielsweise erst kürzlich eine Neuaufnahme von Mahlers 10. Sinfonie für die ehrwürdige Deutsche Grammophon, für die er spezielle Aufnahmen in Tolbach machte, dem Ort, wo Mahler seinen letzten Sommer verbrachte. Am Shift präsentiert Herbert eine Sound Performance, für die er während einer Nacht Atmosphärengeräusche in einem komplett mit Mikrophonen ausstaffierten Club gesammelt hat, um sie in Musik zu verwandeln.



Andy Votel (GB)



DJ 01.30 h


Der DJ, Produzent und Grafiker Andy Votel ist ein Meister im Aufspüren spezieller, zum Teil obskurer musikalischer Zeitdokumente aus aller Welt. Auf seinem Reissue-Label Finders Keepers macht er viele seiner Entdeckungen wieder zugänglich, so auch Bruno Spoerris Musik für Werbung, Film und TV, die er auf den Compilations „Glückskugel“ und „Extrakugel“ wiederveröffentlichte.

Votel ist ausserdem Gründer des Labels Twisted Nerve (mit Badly Drawn Boy) und Teil des B-Music-Kollektivs (u.a. mit David Holmes und Belle and Sebastian).

Seine DJ-Sets vereinen etwa pakistanische Synthesizer-Filmmusik, persischen Pop, Krautrock, britischen Folk, ungarische Psychedelik und, eben, Spoerris Schweizer Werbefilmsoundtracks – wiederentdeckt und wahrhaft horizonterweiternd neu interpretiert als Tanzmusik.



Michael Egger & Flo Kaufmann - Analog Visual Labor



Visuals


Michael Egger und Flo Kaufmann machen analoge Visuals, ganz ohne Computer. Sie benutzen dazu alte Videosynthesizer und Effektgeräte aus den 1970er- und 1980er-Jahren aus der Referenzsammlung von AktiveArchive, allen voran dem EMS Spectre von 1974, der von Kaufmann restauriert wurde. Zudem haben sie – in einer Art Neuerfindung von Technik der Vergangenheit – einen eigenen analogen Videosynthesizer gebaut, den Synkie.

Ihr Labor ist ab Samstag auch in der Ausstellung zu sehen.


SAMSTAG, 30. Oktober 2010

Harold Schellinx (NL)



Live 20:30 h


Der Musiker und Soundart-Künstler Harold Schellinx sammelt seit 2002 Musikkassetten und Fragmente davon, die er auf der Strasse findet. Ãœber 600 Exemplare sind in seiner „Found Tape Exhibition“ archiviert – darin stöbern kann man in der Shift-Ausstellung.  Für das Musikprogramm verarbeitet Schellinx Tapefragmente aus der Sammlung live zu einer Klangcollage. Dabei werden die Veränderungen des Klangs durch Wind und Wetter, die als Zufallselement mitspielen, hörbar. Ausserdem klingt das ganze Spektrum der Assoziationen an, die wir mit Musikkassetten verbinden, die eben immer mehr waren als blosse Tonträger.

Schellinx erzählt am Sonntagnachmittag in einem Vortrag im Schaulager mehr über die Hintergründe seines Projekts.




Moritz von Oswald Trio (D, FIN)



Live 21.00 h


Die Pioniere der elektronischen Musikszene Berlins der frühen 1990er-Jahre, Moritz von Oswald (Basic Channel, Rhythm And Sound), Vladislav Delay (Luomo, Sistol) und Max Loderbauer (NSI, Sun Electric), widmen sich der Neuinterpretation von Dub Electronica, einem Musikstil, der im jamaikanischen Dub wie auch im klassischen Detroit Techno wurzelt. Das Ensemble erforscht die Möglichkeiten des Live-Arrangements und der Improvisation mit elektroakustischen Mitteln, analoger Synthese und Perkussion. Im Spiel mit Frequenzen und Dynamik entsteht ein endloser Groove, aus dem immer wieder neue Melodien und Rhythmen aufscheinen. Dabei lassen sich die drei Musiker viel Freiraum für Experimente, was ihrer Musik eine aussergewöhnliche Offenheit verleiht.



Dorian Concept (A)



Live 22.30 h


Dorian Concept gehört zweifellos zu den gefragtesten Talenten in der zeitgenössischen Beat-Szene. Besonders bekannt ist er für sein extravagantes Keyboardspiel. Unter dem Pseudonym Yorktowncreation veröffentlichte Dorian Concept Youtube-Videos, die ihn so flink am Synthesizer zeigten, dass viele Leute meinten, die Videos seien manipuliert. Sein Können ist aber echt! Dies bewies er u.a. bei Auftritten mit Flying Lotus oder an den Gilles Peterson Worldwide Music Awards. Wie kein anderer steht Dorian Concept für den aktuellen Trend der Clubmusik, die sich wieder zu langsameren Tempi zurückbewegt, aber dennoch energiereich bleibt. Am Shift wird er zeigen, wie dorische Tonskalen nach dem Vorbild eines John Coltrane wiederentdeckt und auf frische Weise neu interpretiert werden können.



Jimmy Edgar (USA)



Live 23.30 h


Der aus Detroit stammende Jimmy Edgar ist nicht nur Musiker, sondern auch erfolgreicher Fotograf und Modedesigner mit eigenem Label. Bereits im Alter von 15 Jahren spielte er als DJ an der Seite von Juan Atkins und Derrick May, um wenig später mit seinen Veröffentlichungen auf WARP Records grosse internationale Aufmerksamkeit zu erregen. Sein erstes Album „Color Strip“ war geprägt von Chipsounds und neueren R&B-Einflüssen. Sein aktuelles Album „XXX“ ist hingegen eine Hommage an den Funk der 1980er-Jahre, was sich im exzessiven Gebrauch von Synthesizer-Stabs und breiten Clap-Sounds deutlich manifestiert. Seine Qualitäten spielt Jimmy Edgar jedoch nicht nur als Produzent, sondern vor allem auch als Performer aus, wenn er seine Stücke mit Gesang und Keyboard live arrangiert.



juan atkins (USA)



DJ 00.30 h


Juan Atkins
(Cybotron, Model 500) gilt weithin als Erfinder der Technomusik. Zusammen mit Derrick May und Kevin Saunderson trug er Detroit Techno in die ganze Welt hinaus. In den frühen 1980er-Jahren wurde Atkins von Radiosendungen des Charles „Electrifying Mojo“ Johnson inspiriert, der neben amerikanischem Funk und Soul auch Platten aus Europa spielte, insbesondere von Kraftwerk. Dieser Musikmix war es, der Atkins bei seinen eigenen Produktionen beeinflusste. Folgerichtig hört sich „Techno City“, eine seiner erfolgreichsten EPs aus dem Jahre 1984, auch an wie eine Fusion von Funk, Soul und dem Kraftwerk’schen Musikkosmos. Juan Atkins gründete später das Label „Metroplex“, das zahlreiche Künstler aus Detroit international bekannt machte.



Chris Air (CH)



DJ 02.30 h

Chris Air begann seine Karriere als DJ in den späten 1980er-Jahren und wurde in den 1990ern unter dem Pseudonym Sir Djance einem breiteren Publikum bekannt. In jener Zeit wurde er auch als Produzent aktiv und gründete das Duo „U3T“, dessen Mixtapes auch ausserhalb der Schweiz grosse Verbreitung fanden. Nach mehreren Jahren als musikalischer Stammgast bei den FBJ-Parties im Planet E begann Chris Air selbst regelmässig Events zu organisieren. Er gründete im Jahr 2000 das Partylabel „Glücksscherben“, das dem Minimal Techno hierzulande massgeblich zum Durchbruch verhalf. Weiter produzierte er zahlreiche Tracks, so zum Beispiel im Jahr 2006 die „Glücksscherben EP“ unter dem Label „Eintakt“. Am Shift wird Chris Air ein DJ-Set spielen, das sich aus seinem unendlichen Fundus an Köstlichkeiten der Vergangenheit speist.



Videokultur (CH)



Visuals


Videokultur ist ein Zusammenschluss von Visual-Jockeys und besteht aus den Crews Bildstörung (ZH), Kim & Jim (LU), Pixelpunx (AG / BS), Projektil (ZH), Suffix (LU) und Undef (BS). Seit der Gründung im Jahr 2007 organisiert Videokultur regelmässig Veranstaltungen wie den VJ-Stammtisch oder das VJ-Camp für Visual-Artists, Musiker und ein interessiertes Publikum. Dort werden Projekte präsentiert, neue Konzepte erprobt und Kollaborationen aufgebaut. Mit videopong.net wurde ausserdem ein erfolgreiches Online-Instrument für VJs initialisiert. Am Shift werden die Pixelpunx Visuals zu Dorian Concept beisteuern, die Bildstörung-Crew unterstützt die DJ Sets von Juan Atkins und Chris Air.