Shift @ Schaulager


     Film, Video, Vorträge und Performances



Öffnungszeiten



Fr & Sa 12.00 – 22.00 h


So         12.00 – 18.00 h




Im Schaulager wird das Film-, Video- und Vortragsprogramm von Shift präsentiert. In Zusammenarbeit mit Ute Holl, Professorin für Medienwissenschaft an der Universität Basel und der Kunstwissenschaftlerin Maja Naef wurden Kuratorinnen und Kuratoren, Künstler sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler damit betraut, zum Thema der elektrifizierten Stimme Programme zusammenzustellen, Performances zu zeigen und dem Publikum Einblicke in die aktuelle Forschung zu gewähren.



Zusammenstellung und Moderation: Katharina Dunst, Ute Holl und Maja Naef




Film-, Videoprogramm



Ashim Ahluwalia:


Fr, 13.30 h: “John & Jane”



Jessica Manstetten (Internationale Kurzfilmtage Oberhausen):


Fr, 16.30 h: “VOICE I – there will be singing”


Sa, 18.15 h: “VOICE II – sound & silence”



Philippe-Alain Michaud (Centre Georges Pompidou)


Sa, 16.45 h, Fr, 12.00 h: “Orpheus. voice, death, survival”



Sandra Naumann (Transmediale):


Fr, 18.00 h: „Die Stimme aus dem Off“, Programm 1


Sa, 12.30 h: „Die Stimme des Mediums“, Programm2



Nadia Schneider (freie Kuratorin):


Sa, 14.30 h: „Wenn des Tages laute Stimmen nicht schweigen“




Vorträge



Dave Tompkins (En):


Fr, 20.00 h: „How to Wreck a Nice Beach' – The Vocoder from World War II to Hip Hop"



Veit Erlmann (De):


So, 15.00 h: „Das akustisch Unbewusste – Zeit und Rhythmus um 1900“



Brigitte Felderer (De):


So, 14.00 h: „Die falschen Sprechmaschinen“



Friedrich Tietjen (De):


So, 13.00 h: „Zur Bildlichkeit des Sprechens“



Paul Elliman (En):


Sa, 16.00 h: „Detroit as Refrain. Only the lull I like, the hum of your valved voice“




Performances



Erik Bünger:


Sa, 20.00 h: „The Third Man“




Präsentation



Das Schaulager zeigt im Rahmen des Festivals eine kleine Präsentation an Werken von Mark Wallinger aus der Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung.







Freitag, 28.10.2011






13.30.00 - 15.00 h, Filmvorführung

John and Jane, Indien, 2005



von Ashim Ahluwalia
Blue Ray, future-east, 83 min (en, deutsche Untertitel)



„John & Jane“ bewegt sich als Film zwischen Dokumentation und exotischer Fiktion. Der Film handelt von sechs ‘Call Agents‘ in einem Call-Center in Bombay, deren Arbeit darin besteht, Anrufe von amerikanischen 1-800-Nummern anzunehmen. Wenn die Nachtschicht zu Ende ist, gehen die Angestellten nach Hause um sich im tropischen Dunst Bombays schlafen zu legen. John and Jane entwirft ein Porträt einer neue Generation von Indern, die zwischen realer und virtueller Welt leben, die ihr Leben verdienen, indem sie ihre Stimme vermieten. Die Ausbeutung der medialen Eigenschaften der Stimme und ihre Trennung von Inhalt und Sinn der Botschaft, die sie verkündet, funktioniert technisch, hinterlässt jedoch Risse und Spuren im Leben der jungen ‘Call Agents‘.






15.15 - 16.15 h, Screening (Wiederholung Sa, 29.10.2011)

Wenn des Tages laute Stimmen nicht schweigen



kuratiert von Nadia Schneider Willen

Nadia Schneider Willen (*1971), freie Kuratorin, lebt in Zürich, früher u.a. Konservatorin für moderne und zeitgenössische Kunst am Musée d’art et d’histoire in Genf, ehemalige Leiterin und Kuratorin am Kunsthaus Glarus (2001-2007), in den 1990er Jahren kuratorische Tätigkeit im Projektraum Kombirama und im Kleinen Helmhaus in Zürich; seit 2007 Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission.



Das Programm nimmt uns mit auf eine assoziative Reise durch ein Gewirr von Stimmen. Selten wird Stimme nur als Klang, losgelöst von Sprache, wahrgenommen. Nur im Zustand des Dämmerschlafs gleitet sie für einen Moment in den Bereich des Unterbewussten ab und wird zu einem archaischen Wiegenlied. In der Tageswirklichkeit begegnen wir ihr in der Form einer despotischen Stimme, die undisziplinierten Schulkindern Vaterlandsliebe zu indoktrinieren versucht. Wir hören ihr gebannt zu, wie sie von jugendlich waghalsigem Widerstand erzählt. Wir verfolgen, wie sie suchend ein Lied in einer ihr fremden Sprache zu dekodieren versucht, ohne diese zu verstehen, und lesen Dialoge, in welchen sie – die abwesende, die innere Stimme – so präsent ist, dass wir sie wahrzunehmen vermeinen...



Filmliste






16.30 – 18.00 h, Screening, Programm 1

"VOICE I - there will be singing"



kuratiert und präsentiert von Jessica Manstetten

Jessica Manstetten, Filmwissenschaftlerin, zeigt Filme, schreibt und übersetzt; lebt und arbeitet derzeit im Ruhrgebiet für die Int. Kurzfilmtage Oberhausen, die Duisburger Filmwoche und das IFFF Dortmund/Köln.



Mehr als die Schönheit selbst bezaubert die liebliche Stimme. Jene zieret den Leib, sie ist der Seele Gewalt.
Johann Gottfried von Herder



Körper und Stimme konstituieren Identität. Volumen, Klangfarbe und Tonhöhe sind dabei vor allem geschlechtsspezifische Merkmale. Die Popkultur lässt kein technisches Mittel unversucht, ihrem jeweiligen Starkörper seine perfekte phonogene Stimme zu verpassen. there will be singing zeigt Arbeiten, die sich der Illusion dieser Identitätskonstruktion widmen und mit ihr brechen. Stimmen besetzen fremde Körper, Stimmen besetzen Stimmen, reenactment von Adaption bis Neuinterpretation, was über Kanäle wie youtube zur vollen Blüte gelangt. Gleichermassen kann die Stimme als bearbeitbares Material dienen, sie kann den Song unterwandern, beschwören, predigen oder als Medium für religiös oder politisch motivierte Let’s Sing/Speak With One Voice-Ideologie dienen. Und wo Stimme ist, da ist auch Stimmversagen, körperlich wie technisch. sounds & silence reflektiert und parodiert Anfall, Aufschrei, Ausfall.



Filmliste








18.00 – 19.15 h, Screening, Programm 1

DIE STIMME AUS DEM OFF



Kuratiert und präsentiert von Sandra Naumann

Sandra Naumann ist freie Kuratorin und Medienwissenschaftlerin aus Berlin.



Dieses Programm widmet sich dem Phänomen des Voice-overs und damit der Rolle des Sounds in der Konstruktion von filmischen Wirklichkeiten sowie der dabei oft unhinterfragten Macht der Sprache. Es zeigt die Inkongruenzen von Sprach- und Bildaufnahme, von Gesagtem und Gezeigtem, von Gedachtem und Ausgesprochenem, ob als entlarvender Kommentar zu einer Safari, zur Demonstration des real existierenden Sozialismus oder als Exampel des mitunter notwendigen Krisenmanagements nach einer Absturznacht.



Filmliste








20.00 – 21.00 h, Lecture

How to wreck a nice beach



by Dave Tompkins (auf Englisch)

Wohl kaum jemand weiss soviel über den Vocoder wie der amerikanische Journalist Dave Tompkins (schreibt u.a. für The Wire, Vibe,Wax Poetics). Sein Buch „How to Wreck a Nice Beach“ ist die überbordend faktenreiche Geschichte dieses Geräts.



Der Vocoder, 1928 von den Bell Labs erfunden, schützte im zweiten Weltkrieg Telefone vor Lauschangriffen. Zum Zeitpunkt des Vietnamkriegs war der "Spektralzerleger" bereits als Roboterstimme für Musiker wiederbelebt worden. How To Wreck A Nice Beach handelt vom Stimmen Hören, vom Verkündigen und von sprechenden Dingen. Der Titel, ein homophones Wortspiel, das sich anhört wie "how to recognize speech", hat seinen Ursprung im Gulag. Tompkins' tour de force der elektronischen Stimmen führt von Nazi-Labors zu Stalins Gulags, von Weltausstellungen zu Hiroshima, von Churchill und JFK zu Kubrick, The O.C. und Rammellzee, Kehlkopfprothesen und Auto-Tune. Vocoder-Technologie steckt heute in Form von Stimmkompression in jedem Mobiltelefon - wir kommunizieren täglich mittels mangelhafter digitaler Kopien unserer selbst.





Samstag, 29.10.2011






13.00 – 14.15 h, Screening, Programm 2

DIE STIMME DES MEDIUMS



kuratiert und präsentiert von Sandra Naumann

Sandra Naumann ist freie Kuratorin und Medienwissenschaftlerin aus Berlin.



Schon mal einen Filmstreifen Rachmaninov summen gehört? Oder einen Drucker singen? Wenn nicht, dann wird es höchste Zeit das musikalische Talent der Medien zu entdecken und die Geister aus den Maschinen zu locken. In den hier versammelten Filmen kommen die „Töne aus dem Nichts“, wie Rudolf Pfenninger Anfang der 1930er-Jahre in Bezug auf sein Verfahren zur Erzeugung synthetischer Klänge formulierte, mit dem er gezeichnete Wellenformen direkt auf die Lichttonspur des Filmstreifens aufbrachte. Hier wurde also keine wie auch immer erzeugte Musik aufgenommen, sondern sprichwörtlich das Material selbst zum Klingen gebracht. Doch nicht nur Zelluloid besitzt ein ganz eigenes Timbre, sondern auch Büromaschinen, Kathodenröhren, Videomischer und Rechner.



Filmliste






14.30 – 15.45 h, Screening (Wiederholung)

Wenn des Tages laute Stimmen nicht schweigen



kuratiert und präsentiert von Nadia Schneider Willen

Nadia Schneider Willen (*1971), freie Kuratorin, lebt in Zürich, früher u.a. Konservatorin für moderne und zeitgenössische Kunst am Musée d’art et d’histoire in Genf, ehemalige Leiterin und Kuratorin am Kunsthaus Glarus (2001-2007), in den 1990er Jahren kuratorische Tätigkeit im Projektraum Kombirama und im Kleinen Helmhaus in Zürich; seit 2007 Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission.



Das Programm nimmt uns mit auf eine assoziative Reise durch ein Gewirr von Stimmen. Selten wird Stimme nur als Klang, losgelöst von Sprache, wahrgenommen. Nur im Zustand des Dämmerschlafs gleitet sie für einen Moment in den Bereich des Unterbewussten ab und wird zu einem archaischen Wiegenlied. In der Tageswirklichkeit begegnen wir ihr in der Form einer despotischen Stimme, die undisziplinierten Schulkindern Vaterlandsliebe zu indoktrinieren versucht. Wir hören ihr gebannt zu, wie sie von jugendlich waghalsigem Widerstand erzählt. Wir verfolgen, wie sie suchend ein Lied in einer ihr fremden Sprache zu dekodieren versucht, ohne diese zu verstehen, und lesen Dialoge, in welchen sie – die abwesende, die innere Stimme – so präsent ist, dass wir sie wahrzunehmen vermeinen...



Filmliste






16.00 – 16.30 h, Lecture

Detroit as Refrain


     Only the lull I like, the hum of your valved voice



by Paul Elliman (auf Englisch)

Paul Elliman ist Gestalter in London. In seiner Arbeit erforscht er die wechselseitigen Auswirkungen von Technologie und Sprache. Dabei verbindet er Forschung und Historische Wissenschaft mit Ressourcen aus der Typographie oder Forschungen über die menschliche Stimme. Elliman hat u.a. in der Tate London, dem New Museum in New York und der Kunsthalle in Basel ausgestellt und ist vertreten in der Sammlung des Victoria und Albert Museum in London und jener des Anyang Public Art Projects in Korea. Er hat Aufsätze in zahlreichen internationalen Zeitschriften publiziert und Kataloge und Mongrafien für andere Künstler gestaltet. Überdies ist er Mentor bei "Werkplaats Typografie und senior critic in Yale seit 1997.



Detroit als Refrain: Unter der Stimme eines Autos könnte man sich das mechanische Geräusch eines Motors in Verbindung mit dem hochtourigen Pulsieren von Detroits Technomusik vorstellen. Indes setzen sich die Stimmen, mit denen wir unsere Autos heutzutage ausstatten, jene der GPS-Satelliten-Navigationssysteme, welche unsere Bewegungen durch die Stadt lenken und zu einer Erzählung zu verweben, in einen ähnlichen Zusammenhang. Als Kraftwerk im Jahr 1975 mit “Autobahn” auf Tournee durch die USA waren, erwarb Florian Schneider mindestens zwei bedeutende elektronische Stimmapplikationen. Eine davon war ein Modell des A “Vako Orchestron”, ein Tasteninstrument das durch die Verstärkung von optische aufgezeichneten Klängen einen Choreffekt erzeugte. Die andere war ein Modell von VS4 “Votrax”, welches Stimmen synthetisierte und im Jahr 1974 von der Detroit Votrax International entwickelt worden war. Der Votrax fand über The Electrifying Mojo Charles Johnson und seine legendären Radiosendungen auf WGPR seinen Weg zurück nach Detroit; zwischen 1977 und 1985 verbreitete dieser neben anderen frühen europäischen Electro- und Techno-Musikpionieren Kraftwerk über den Sender.






16.45 – 18.00 h, Screening

Orpheus. voice, death, survival



kuratiert und präsentiert von Philipp Alain Michaud / Screening

Philippe Alain Michaud ist Kurator an der Filmsammlung des Musée National d'Art Moderne, Centre Pompidou in Paris. Unter den zahlreichen Ausstellungen, die er realisierte, sind: Le mouvement des images (Centre Pompidou, 2006); Electric Nights (Moscou-Gijon, Spain, 2010-2011); Brancusi photo-films (Centre Pompidou, 2011).



Um den Tod von Eurydike zu beklagen, singt Orpheus in der Mythologie für die Steine und die Bäume (die leblose Natur). Trauer ist nicht nur eine Art und Weise, den Vermissten zu vergessen, sondern auch, ihn wieder in Erscheinung zu bringen. Wenn im Film der Ton das Bild nicht ergänzt oder illustriert, sondern an der Verstärkung seiner Präsenz arbeitet, erscheint etwas, was man die orphische Dimension nennen könnte.



Filmliste






18.15 – 19.30 h, Screening, Programm 2

VOICE II - sounds & silence



kuratiert und präsentiert von Jessica Manstetten

Jessica Manstetten, Filmwissenschaftlerin, zeigt Filme, schreibt und übersetzt; lebt und arbeitet derzeit im Ruhrgebiet für die Int. Kurzfilmtage Oberhausen, die Duisburger Filmwoche und das IFFF Dortmund/Köln.



Filmliste








20.00 – 21.00 h, Performance

THE THIRD MAN



von Erik Bünger (auf Englisch)

Erik Bünger ist ein schwedischer Künstler, Komponist, Musiker und Autor. Er lebt in Berlin und Stockholm. In seiner Arbeit verwendet er Techniken der Rekontextualisierung und des Remixes – appropriiert bestehende Kulturprodukte wie Musik und Film und verwandelt sie in Performances, Installationen und Netzprojekten.



In seiner neusten Arbeit „The Third Man“ setzt sich Bünger mit Stimme, Musik, Erinnerung und dunklen Ängsten auseinander. Der Künstler selbst deutet mittels Voice-Over mit eindringlicher Stimme Bilder aus Filmklassikern um und vollzieht performativ, was er beschreibt: Seine Stimme ist in unserem Kopf.





Sonntag, 30.10.2011






13.00 - 14.00 h, Screening
(Wiederholung)

Orpheus. voice, death, survival.



kuratiert von Philipp Alain Michaud / Screening

Philippe Alain Michaud ist Kurator an der Filmsammlung des Musée National d'Art Moderne, Centre Pompidou in Paris. Unter den zahlreichen Ausstellungen, die er realisierte, sind: Le mouvement des images (Centre Pompidou, 2006); Electric Nights (Moscou-Gijon, Spain, 2010-2011); Brancusi photo-films (Centre Pompidou, 2011).



Um den Tod von Eurydike zu beklagen, singt Orpheus in der Mythologie für die Steine und die Bäume (die leblose Natur). Trauer ist nicht nur eine Art und Weise, den Vermissten zu vergessen, sondern auch, ihn wieder in Erscheinung zu bringen. Wenn im Film der Ton das Bild nicht ergänzt oder illustriert, sondern an der Verstärkung seiner Präsenz arbeitet, erscheint etwas, was man die orphische Dimension nennen könnte.



Filmliste






13.00-14.00 h, Lecture

Stimmen sehen. Zur Bildlichkeit des Sprechens



von Friedrich Tietjen (auf deutsch)

Friedrich Tietjen (*1965, DE) lehrt Geschichte und Theorie der Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste in Leipzig. Schwerpunkte seiner Lehrtätigkeit sind Porträtfotografie, wissenschaftliche Fotografie und Fotografie als ein Medium der Kunst, parallel dazu betätigt er sich in der Forschung und publiziert im Feld der Gebrauchskultur wie Mode, Plastiksäcke, Kaugummi, Zigaretten und Recycling.



Die Lautäusserungen der Stimme sind unsichtbar, aber der Akt selbst ist es nicht. Und so ist sie kein nur akustisches Phänomen, sondern Gegenstand von Regimes der Sichtbarkeit. Sie wird allegorisch und grafisch sichtbar gemacht, Hör- und Konzertsäle werden so gebaut und eingerichtet, dass möglichst alle Zuhörerinnen und Zuhörer einen Blick auf die Vortragenden haben, und eben so wenig ist es Zufall, wenn in der Psychoanalyse der Analysand die Analytikerin beim Sprechen nicht sieht. Was also hat die Stimme mit dem Blick, die Sprache mit dem Bild, das Gehört-werden mit dem Gesehen-werden zu tun? Und was kann passieren, wenn diese Verbindungen unterbrochen werden?






14.00-15.00 h, Lecture

Die falschen Sprechmaschinen



von Brigitte Felderer (auf deutsch)

Brigitte Felderer ist Ausstellungskuratorin und Lehrbeauftragte der Universität für angewandte Kunst Wien. Ihre international gezeigten Ausstellungsprojekte konzentrieren sich auf das Feld der Kulturgeschichte und Technologie. Sie publizierte über kulturhistorischen und sprachwissenschaftlichen Themen. Ausstellungen (u.a.): Museum der Unterwelten, OK Linz, Linz 2008; Zauberkünste, Cultural Capital Linz, 2009; Ha Zwei Ooo, Zoom Kindermuseum Wien, 2010; The Digital Uncanny (Arbeitstitel), Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, Oldenburg (work in progress), 2012. Publikationen (Auswahl): B. Felderer/E. Strouhal (eds.): Rare Künste. Eine Kultur- und Mediengeschichte der Zauberkunst, Springer: Wien, New York 2007; G. Bast/B. Felderer (eds.): ART and NOW. Über die Zukunft künstlerischer Produktivitätstrategien, Springer: Wien, New York 2010.



In den 1780er-Jahren unternahm der Wiener Hofkammerrat Wolfgang von Kempelen mit seiner Sprechmaschine eine ausgedehnte Europatournee. Immer wieder wurde ihm unterstellt, dass die Stimme seines Apparats blosser Effekt, der gewandte Konstrukteur in Wirklichkeit nur ein geschickter Bauchredner wäre. Der frühe Phonetiker sah sich massiver Konkurrenz ausgesetzt: Die Stimmen „unsichtbarer Mädchen“ und „delphischer Orakel“ bannten das Publikum. Von ihnen wird in diesem Vortrag die Rede sein.






15.00 – 16.00 h, Lecture

The Acoustic Unconscious - Time and Rhythm c.1900



by Veit Erlmann (auf Englisch)

Veit Erlmann ist Professor an der Universität von Texas in Austin und lehrt dort Musikethnologie, Musikwissenschaft, Anthropologie und Kulturgeschichte. Seit dem Sommersemester 2011 ist er Mercator-Gastprofessor am Lehrstuhl für Theorie und Geschichte der populären Musik an der Humboldt-Universität zu Berlin. In zahlreichen Publikationen zu Musik und Popkultur beschäftigte sich Erlmann mit Südafrika. (African Stars, 1991, Nightsong, 1999, beide University of Chicago Press, Music, Modernity and the Global Imagination. South Africa and the West. New York: Oxford University Press, 1999) Sein letztes Buch trägt den Titel: Reason and Resonance - A History of Modern Aurality (Zone Books, 2010).



Oft wird angenommen, die Wurzeln der musikalischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts lägen in der Emanzipation der Dissonanz von der Zwangsjacke der funktionalen Harmonie. Zeit und Rhythmus waren jedoch ebenso wichtige Parameter in der Gestaltung des modernistischen kulturellen Diskurses und der Musikästhetik. Rhythmische Zersplitterung, musikalische Kleinstformen und eine Verliebtheit in den Moment waren Kennzeichen eines Prozesses, der in den 1880er-Jahren begonnen hatte und bis in die 1920er-Jahre fortdauerte. Im Zentrum dieser grossen Verschiebung in der Wahrnehmung von Zeit war die Entdeckung des „akustischen Unbewussten“, eines Gebiets von ungehörten und unbekannten Klängen. Diese Verschiebung drohte die Einheit und Stabilität des Zuhörers zu unterminieren und provozierte einerseits nostalgische Projekte, die rhythmisches Regelmass reinstallieren wollten andererseits aber auchradikalere Pläne, die das transformative Potenzial von zeitlichen Brüchen verwerten wollten.






16.30 – 18.00 h, Filmvorführung (Wiederholung)

John and Jane, Indien, 2005



von Ashim Ahluwalia
Blue Ray, future-east, 83 min (en, deutscher Untertitel)



„John & Jane“ bewegt sich als Film zwischen Dokumentation und exotischer Fiktion. Der Film handelt von sechs ‘Call Agents‘ in einem Call-Center in Bombay, deren Arbeit darin besteht, Anrufe von amerikanischen 1-800-Nummern anzunehmen. Wenn die Nachtschicht zu Ende ist, gehen die Angestellten nach Hause um sich im tropischen Dunst Bombays schlafen zu legen. John and Jane entwirft ein Porträt einer neue Generation von Indern, die zwischen realer und virtueller Welt leben, die ihr Leben verdienen, indem sie ihre Stimme vermieten. Die Ausbeutung der medialen Eigenschaften der Stimme und ihre Trennung von Inhalt und Sinn der Botschaft, die sie verkündet, funktioniert technisch, hinterlässt jedoch Risse und Spuren im Leben der jungen ‘Call Agents‘.